Johannes Brahms/Richard Strauss

Piano concerto No. 2/Burleske

Joseph Moog (Klavier), Deutsche Radio Philharmonie, Ltg. Nicholas Milton

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Onyx Classics
erschienen in: das Orchester 05/2018 , Seite 72

Zunächst sei nachgere­icht, was diese CD lei­der nicht bietet: Infor­ma­tio­nen über den Solis­ten und das Orch­ester. Der Pianist Joseph Moog wurde 1987 in Lud­wigshafen geboren, hat in Karl­sruhe, Würzburg (bei Bernd Glemser) und Han­nover (bei Arie Var­di) studiert und wurde bei den Gramo­phone Clas­si­cal Music Awards, bei den Inter­na­tion­al Clas­si­cal Music Award sowie etlichen weit­eren Wet­tbe­wer­ben aus­geze­ich­net. Neben dem Stan­dard­reper­toire set­zt er sich gerne auch für Rar­itäten ein (Godowsky, Busoni, Rubin­stein) und kom­poniert sog­ar selb­st. Hier legt er bere­its seine zehnte CD vor.
Es ist die zweite Koop­er­a­tion mit der Deutschen Radio Phil­har­monie, die als ARD-Rund­funksin­fonieorch­ester ihre Auf­gaben an den Orch­ester­stan­dorten Saar­brück­en und Kaiser­slautern eben­so wahrn­immt wie auch in den Kul­tur­pro­gram­men des Saar­ländis­chen Rund­funks und des Süd­westrund­funks. Nicholas Mil­ton ist „nur“ Gast­diri­gent der Deutschen Radio­phil­har­monie, arbeit­et aber in beina­he fußläu­figer Ent­fer­nung bis Ende der Spielzeit 2017/18 als Gen­eral­musikdi­rek­tor und Chefdiri­gent am Saar­ländis­chen Staat­sthe­ater in Saar­brück­en. Zur Sai­son 2018/19 wird er der neue Chefdiri­gent des Göt­tinger Sym­phonie-Orch­esters.
Joseph Moog und die Deutsche Radio Phil­har­monie haben mit dem zweit­en Klavierkonz­ert (1881) von Johannes Brahms und der Burleske von Richard Strauss zwei (fast gle­ichzeit­ig ent­standene!) Werke zusam­menge­führt, die weit über das klas­sis­che Gegenüber von Solist und Orch­ester hin­aus­ge­hen und das Klavier als Part­ner in den sin­fonis­chen Satz ein­binden. Auch die Länge des Brahms-Konz­erts ste­ht mit 45 Minuten der Dauer ein­er Sin­fonie in nichts nach.
Kennze­ich­nend für Joseph Moog ist sein zupack­endes, ener­gis­ches und klares, dabei tech­nisch her­aus­ra­gen­des Klavier­spiel. Seine Physis ist beein­druck­end. Sein Brahms ist frisch und straff, allerd­ings oft auch volu­minös. Auf diese Weise gerät das Orch­ester gegenüber dem präg­nan­ten Klavier­satz manch­mal klan­glich ins Hin­tertr­e­f­fen. Der langsame dritte Satz ist hinge­gen von überirdis­ch­er Zartheit, hier ist Joseph Moog der vol­len­dete Begleit­er für den Solo­cel­lis­ten des Orch­esters (auch er – oder sie – hätte ruhig genan­nt wer­den kön­nen). Der vierte Satz besticht durch Leichtigkeit und per­len­des Spiel.
Die Burleske (1885) von Richard Strauss gehört eben­falls zu den anspruchsvoll­sten Werken der Klavier­lit­er­atur. Hier ist das Klavier oft­mals noch deut­lich­er in den Orch­ester­satz inte­gri­ert, manch­mal aber auch strahlen­der Solist. Es ist ein wah­n­witziges, irrlichtern­des Jugendw­erk mit Anklän­gen an die Mar­seil­laise (in Moll!), an die – freilich später ent­standene – West Side Sto­ry und auch Tris­tan und Isol­de. Joseph Moog stürzt sich mit Wonne und Bravour in die Kapri­olen des Werks und hat mit der Deutschen Radio Phil­har­monie eine her­vor­ra­gende Part­ner­in an sein­er Seite.
Johannes Kil­lyen

Ein Hin­weis: Zwar enthält das Book­let keine Infor­ma­tio­nen über den Solis­ten und das Orch­ester, jedoch weist das Label Onyx Clas­sics darauf hin, dass es Links enthält zu deren Web­sites.