Knava, Irene / Thomas Heskia

ISO for Culture

Qualitätsmanagement als Führungsinstrument. Standards in Kulturbetrieben praktisch umsetzen. Audiencing III

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Facultas, Wien 2016
erschienen in: das Orchester 03/2017 , Seite 63

Wer die ersten bei­den Büch­er von Irene Kna­va – Audi­enc­ing I und II (2009 bzw. 2014) – gele­sen hat, wird auch um die Anschaf­fung ihres neuesten Buchs nicht herumkom­men. Wer bis­lang keines der drei Büch­er gele­sen hat, sollte sich gle­ich alle anschaf­fen. Unbe­strit­ten wird Qual­itäts­man­age­ment (QM) auch in der Kul­tur in den kom­menden Jahren immer wichtiger wer­den. Denn wer als Kul­turbe­trieb ganz über­wiegend öffentlich finanziert wird, ste­ht unter steigen­dem Legit­i­ma­tions­druck. Kann man dann aber die effiziente Mit­telver­wen­dung dif­feren­ziert bele­gen, ste­hen die Chan­cen für eine bre­ite Akzep­tanz bei den poli­tis­chen Entschei­dern und in der Öffentlichkeit gut.
Beein­druck­end ist bere­its die Entste­hungs­geschichte dieser neuen Pub­lika­tion, die Kna­va mit ihrem Co-Autor Thomas Hes­kia im ersten Kapi­tel („1. Akt“) darstellt. Über 60 Führungskräfte, Berater, Inter­view-
part­ner sowie weit­ere Fach­leute aus Öster­re­ich, Deutsch­land und der Schweiz waren in das Zusam­men­tra­gen von Wis­sen, Exper­tise und Erfahrun­gen einge­bun­den. Von Anfang an ist klargestellt, dass es nicht um die Einen­gung des kün­st­lerischen Schaf­fens und kreativ­er Pro­duk­tions­for­men geht. Vielmehr sollen nichtkün­st­lerische Arbeit­sprozesse rei­bungs­los funk­tion­ieren und ihre Schnittstellen zur Kun­st klar definiert sein.
Im „2. Akt“ sind Grund­la­gen beschrieben sowie die Her­aus­forderun­gen, aber auch Vorteile von QM als Führungsin­stru­ment im Kul­turbe­trieb. Hier­bei wer­den kurz einzelne Beispiels­be­triebe vorgestellt, die bere­its zer­ti­fiziert sind oder ger­ade daran arbeit­en (darunter das Fest­spiel­haus Baden-Baden, die Staats­ga­lerie Stuttgart und das Wiener Konz­erthaus). Um möglichen Missver­ständ­nis­sen vorzubeu­gen, wird am Ende des Kapi­tels auch dargestellt, was QM alles nicht ist und was eine Zer­ti­fizierung kostet. Im „3. Akt“ geht es um den the­o­retis­chen und lit­er­arischen Kon­text, also um einzelne Begriff­serk­lärun­gen und um das, was bis­lang zum QM für Kul­turbe­triebe pub­liziert wurde.
Den größten Raum nimmt der „4. Akt“ mit 200 Buch­seit­en ein. Hier geht es um die Anwen­dung der neuen Norm ISO 9001:2015, die Unter­schei­dung von ver­schiede­nen Prozess­abläufen und schließlich eine struk­turi­erte Sys­tem­atik zur wirk­samen Führung von Kul­turbe­trieben. Alle, aber auch wirk­lich alle Tätigkeits­bere­iche eines Kul­turbe­triebs wer­den hier bis auf untere Ebe­nen auseinan­dergenom­men. Ober­be­griffe sind: kreatives Pro­fil, Strate­gie, Finanzierung, Finanz­man­age­ment, Con­trol­ling & Gov­er­nance, Organ­i­sa­tion, Per­sonal­man­age­ment und QM. Im zweit­en Abschnitt wird in „Best Practice“-Beispielen die Umset­zung einzel­ner Ele­mente in die Prax­is vorgestellt.
Der finale „5. Akt“ enthält prak­tis­che Tipps zur Umset­zung sowie zahlre­iche Check­lis­ten und Muster zur Prozess­doku­men­ta­tion. Gut gestal­tete Grafiken, Prax­is­tipps, Tabellen und Fotos machen das Buch angenehm les­bar.
Faz­it: Das Buch ist Pflichtlek­türe für jede Führungskraft in Kul­turbe­trieb, ‑ver­wal­tung und ‑poli­tik.
Ger­ald Mertens