Wolfgang Rüdiger (Hg.)

Instrumentalpädagogik – wie und wozu?

Entwicklungsstand und Perspektiven

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott music
erschienen in: das Orchester 01/2019 , Seite 61

Das Selb­stver­ständ­nis der Instru­men­tal- und Gesangspäd­a­gogik (IGP) als eigen­ständi­ge kün­st­lerisch-päd­a­gogis­che Diszi­plin (mit den Bere­ichen Aus­bil­dung, Beruf­sprax­is und Forschung) zu klären, auf dem Höhep­unkt von deren hoch­dy­namis­ch­er Entwick­lung seit den 1980er Jahren eine kri­tis­che Bestand­sauf­nahme zu leis­ten und aktuelle Anforderun­gen an das Fach genau­so wie zukün­ftige Entwick­lungsper­spek­tiv­en zu beschreiben – ein in der Tat hoch gesteck­ter Anspruch. Gle­ich­wohl wird er überzeu­gend ein­gelöst in den Beiträ­gen des vor­liegen­den Ban­des – her­aus­gegeben von Wolf­gang Rüdi­ger und basierend auf Refer­at­en eines Sym­po­siums 2017 an der Robert Schu­mann Hochschu­le Düs­sel­dorf.
Die Autoren (alle­samt führende Fachvertreter) markieren prinzipiel­le Fragestel­lun­gen genau­so wie spezielle Prob­lem­la­gen und loten Antwort- bzw. Lösungsmöglichkeit­en aus. So find­en sich Über­legun­gen zu ein­er zeit­gemäßen Veror­tung der IGP, ins­beson­dere in Abgren­zung zur all­ge­meinen Musikpäd­a­gogik (Wolf­gang Less­ing), zu Berufs­bild und Selb­stver­ständ­nis von Lehren­den (Ivo Ignaz Berg) sowie zu ein­er kün­st­lerischen Instru­men­talpäd­a­gogik, die sich nicht in didak­tis­chem Regel­w­erk erschöpft (Peter Röbke); die Bedeu­tung empirisch­er Forschung (Natalia Ardi­la-Man­til­la) und das Ver­hält­nis von The­o­rie und Prax­is in Form eines „Plädo­yer(s) für kol­lab­o­ra­tive Reflex­ion im Musik(hoch)schulkontext“ (Silke Kruse-Weber) wer­den reflek­tiert; weit­er­hin gibt es „Par­al­le­len und Wech­sel­beziehun­gen“ zwis­chen dem Pro­fil der IGP und ihrem zen­tralen Pub­lika­tion­sor­gan, der Zeitschrift Üben & Musizieren (Ulrich Mahlert) zu ent­deck­en; schließlich machen die Beiträge „Anerken­nung und Dif­feren­z­er­fahrung im Instru­men­talun­ter­richt“ (Katha­ri­na Deser­no) sowie „Phys­i­ol­o­gis­che Aspek­te von Bewe­gungsler­nen und Kör­per­wis­sen“ (Horst Hilde­brandt) Bedin­gun­gen instru­men­talpäd­a­gogis­ch­er Lern­prozesse trans­par­ent.
Ergänzend hält der Band die Doku­men­ta­tion zweier Podi­ums­ge­spräche bere­it zu Aspek­ten der Hoch­schulausbildung sowie der Unter­richt­sprax­is. In all dem wer­den nicht zulet­zt auch her­aus­forderungsre­iche Per­spek­tiv­en erkennbar (exem­plar­isch: oper­a­tional­isier­bares Kom­pe­ten­zstufen­mod­ell instru­men­tal­en Ler­nens; Gestal­tung vielfältiger Musik­lern­wel­ten in musikalis­chen Prax­is­ge­mein­schaften; „Lern­haus Musik“ als visionäres Musikschul-Konzept).
Wiewohl festzustellen bleibt, dass keineswegs Kon­sens herrscht sowohl in wesentlichen Grund­fra­gen etwa zur Bal­ance von kün­st­lerischem Anspruch und päd­a­gogis­ch­er Exzel­lenz als auch im Umgang mit aktuellen gesellschaftlichen Her­aus­forderun­gen (Inklu­sion, kul­turelle Vielfalt, Musizieren mit allen, Neue Medi­en). Aller­hand viel­stim­mig-lohnende Lek­türe also für diejeni­gen, die in den aktuellen Fachdiskurs, ins­beson­dere mit Blick auf erweit­erte und zunehmend kom­plex­er wer­dende Auf­gaben­felder der Instru­men­talpäd­a­gogik, ein­tauchen und sich solcher­maßen mit den wesentlichen Facetten eines „Fachs in Bewe­gung“ ver­traut machen wollen.
Gun­ther Diehl