Werke von Mozart, Miranda, Fauré und Bizet

In neuem Licht

Ventus Quintett Salzburg

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Ventus Records vqs 03
erschienen in: das Orchester 09/2017 , Seite 77

Es gibt Werke, bei denen schon die ersten Bläser­akko­rde exem­plar­isch für eine ganze Auf­führung ste­hen kön­nen. Mendelssohns Som­mer­nacht­straum-Ouvertüre ist so ein Beispiel. Und auch Mozarts Zauber­flöte wird mit (Bläser-)Akkorden ein­geleit­et, die nicht die kle­in­ste Unsicher­heit oder Trübung in der Into­na­tion dulden. Insofern legt sich das Ven­tus Quinett die Mess­lat­te gle­ich zu Beginn sehr hoch – und über­springt die geforderte „Höhe“ ohne jede Mühe. Was die fünf Salzburg­er Bläs­er hier schon am Anfang in ihrem Mozart an Sauberkeit, Per­fek­tion im Zusam­men­spiel und Far­ben­re­ich­tum zeigen, ist abso­lut beein­druck­end.
Flöte, Oboe, Klar­inette, Horn und Fagott sind – geblasen von Moritz Plasse, Isabel­la Unter­er, Gábor Lieli, Markus Hauser und Christoph Hip­per – im akko­rdis­chen Beginn eben­so überzeu­gend ein glanzvolles Orch­ester­tut­ti wie sie im Fuga­to ein äußerst beweglich­es und wendi­ges Ensem­ble sind, dem die Stre­ich­er ganz offen­sichtlich gar nicht fehlen.
Apro­pos fehlen: Auch der fol­gen­den Ser­e­nade c‑Moll KV 388 merkt man gar nicht an, dass sie in der Bear­beitung durch Wern­er Rot­tler um drei Stim­men gekürzt wurde. Das Ven­tus Ensem­ble bläst sich auch hier zu höch­sten Bew­er­tun­gen. Jed­er Satz hat sein unver­wech­sel­bares musikalis­ches Gesicht, das Zusam­men­spiel klappt makel­los und aus ein­er von Mozart dur­chaus eher dunkel einge­färbten Ser­e­nade wird ein Stück klas­sis­ch­er, auf Hochglanz poliert­er Kam­mer­musik.
Neben mehr oder weniger nah an der ursprünglichen Kom­po­si­tion verorteten Bear­beitun­gen ist der Hör­er dann natür­lich ges­pan­nt auf das einzige orig­i­nal für Bläserquin­tett geset­zte Werk der CD. Ronal­do Miran­das Vari­ações Sérias sind handw­erk­lich vielschichtig gear­beit­et und bieten in ihrem Abwech­slungsre­ich­tum fast schon einen kleinen musikalis­chen Film für die Ohren. Mal ist das Ven­tus Quin­tett hier eine große Ziehhar­moni­ka, mal ein ras­an­ter und vir­tu­os­er „Fün­fzylin­der“ – immer aber beein­druck­en neben der richti­gen Klang­farbe vor allem auch die Into­na­tion­ssicher­heit und die Abstim­mung im Tonansatz.
Mit Gabriel Fau­rés in schönem Puls dargestell­ter Pavane geht es dann zurück zu den Bear­beitun­gen, die mit ein­er von David Wal­ter zusam­mengestell­ten und bear­beit­eten Suite aus Georges Bizets Oper Car­men einen ein­deuti­gen Höhep­unkt liefern. Hier wird die Seguidil­la genau­so impul­siv getanzt wie die Habañera. Singstim­men und Orch­ester­par­tien sind von den vier Holzbläsern und dem Horn tiefen­scharf und in großem Dynamikum­fang einge­fan­gen, und selb­st das oblig­a­torische Schlagzeug ver­misst man zu keinem Zeit­punkt. Respekt für eine blitzsauber einge­spielte CD, die genau­so per­fekt klingt, wie das Ven­tus Quin­tett intoniert.
Daniel Knödler