Kálman Széchényi/ Roswitha Széchényi-Marko

In eine bessre Welt entrückt

Die Grafen Széchényi von Sárvár-Felsövidék und die Holde Kunst. 250 Jahre Musikgeschichte

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Seubert
erschienen in: das Orchester 02/2019 , Seite 61

Schon der Titel appel­liert an den Experten: In eine bessre Welt entrückt zitiert eine Zeile aus Franz Schu­berts Lied Du holde Kun­st, die jedem Fre­und des Liedge­sangs ver­traut ist, denn sie ist eine von Herzen kom­menden Hom­mage an die Musik. Der Text stammt von Franz von Schober, der heute nur noch weni­gen ver­traut sein dürfte. Seine tief emp­fun­de­nen Worte, die der Kom­pon­ist eben­so gefüh­lvoll wie genial zum Klin­gen brachte, haben auch ihm zur Unsterblichkeit ver­holfen, zumin­d­est bei den Fre­un­den des Liedge­sangs.
Die Neuer­schei­n­ung gilt also nicht einem musikalis­chen Genre, son­dern Per­sön­lichkeit­en, die es ver­di­enen, aus der Versenkung geholt zu wer­den, denn wer ken­nt schon die Grafen Széchényi? Für die Anhänger von Kun­stliedern stellt diese Fam­i­lie eine Fund­grube dar. Das demon­stri­ert Kálmán Széchényi, indem er die His­to­rie auf­blät­tert. Sie begin­nt mit Mihá­ly Széchényi (1530- 1580), der einst sehr tapfer gegen die Expan­sion des Osman­is­chen Reichs gekämpft hat­te. Viel Name­drop­ping fol­gt, und der Leser lernt sukzes­sive die Mit­glieder und dazu das bemerkenswerte Niveau dieses „Clans“ ken­nen. Daneben wird er gründlich informiert über die immense Bedeu­tung und die hohe Beliebtheit, die der Musik im Ungarn des 18. Jahrhun­derts zukam.
Wer mit den Musikrepräsen­tan­ten des Lan­des wenig ver­traut ist, wird von den Autoren über sie informiert, denn Stel­len­wert und Beliebtheit der Musik wur­den großgeschrieben in jenen Tagen. Ist die musikgeschichtliche Bedeu­tung der Fam­i­lie Ester­házy heute noch rel­a­tiv gut bekan­nt, so sind die Ange­höri­gen des Haus­es Széchényi wohl eher weni­gen Musik­fre­un­den ein Begriff. Dieser Igno­ranz kön­nte das Buch, für dessen Lek­türe man entsprechend Zeit investieren sollte, ein Ende set­zen.
Die Gründlichkeit der Darstel­lung entspricht der hohen Bedeu­tung der Musikgeschichte, zumal über die einst rel­e­van­ten Per­so­n­en viel Wis­senswertes zu erfahren ist, wie zum Beispiel über die Pianistin Aloysia Széchényi oder den Kom­pon­is­ten und Dichter Lajos Széchényi, die gle­ich auf mehreren Gebi­eten erfol­gre­ich wirk­ten. So wird man zum Beispiel bei Lajos über seine heute viel zu wenig bekan­nte Kirchen- und Kam­mer­musik informiert.
Sehr willkom­men sind dem Leser auch die im Sepi­a­ton gehal­te­nen Portäts der erwäh­n­ten Per­sön­lichkeit­en, deren Namen bish­er wohl nur rel­a­tiv weni­gen Experten ver­traut waren. Jet­zt wer­den sie in den Fokus gerückt als Men­sch wie als Kün­stler, mit ihrer Biografie und aus­gewählten Doku­menten.
Akri­bie und Sachver­stand waren nötig, um das erforder­liche Mate­r­i­al zusam­men zu getra­gen. Dies allein set­zt schon große Kom­pe­tenz voraus, die sich auch in den Details der Lebensläufe spiegelt und gewis­senhafte Forschungsar­beit erken­nen lässt. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn die Fam­i­lie Széchény zählte nicht nur zu den bedeu­tend­sten Adels­fam­i­lien in Ungarn. Ihre Ange­höri­gen waren gut vertreten in den kaiser­lichen Fam­i­lien von Öster­re­ich und Deutsch­land.
Hei­de Seele