Müller, Hendrik

Identität und Gelingen

Personale, soziale und ökonomische Perspektiven für Berufsmusiker in Praxis und Ausbildung

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Nomos
erschienen in: das Orchester 11/2017 , Seite 54

Das Berufs­bild von Musik­ern ist het­ero­gen, es gibt immer wieder neue Stars, aber auch viele Ver­lier­er. Fes­tangestellte, freiberu­flich Schaf­fende, Vol­lzeit- und Teilzeitbeschäftigte, Instru­men­tal­is­ten und Vokalis­ten, tar­i­flich vergütet oder auf Hon­o­rar­ba­sis, alle zusam­men bilden das Berufs­bild der Musikschaf­fend­en. Diese spez­i­fis­che Sit­u­a­tion ist für den Autor der Aus­gangspunkt sein­er Studie und der vor­liegen­den Pub­lika­tion.
Dass trotz hochqual­i­fiziert­er Aus­bil­dung oft nur prekäre Lebensver­hält­nisse real­isiert wer­den kön­nen, ist seit Jahren bekan­nt und rückt immer mal wieder in den Fokus des Inter­ess­es (Kün­stler­re­port, Kün­stler­sozialver­sicherung u.Ä.). Der Autor leit­et daraus die zen­trale Fragestel­lung sein­er Forschungsar­beit ab: Wie sieht nach abgeschlossen­er Hochschu­laus­bil­dung die Arbeit­sre­al­ität aus? Sein Ziel ist es, nach Rezepten für ein gelin­gen­des Beruf­sleben zu suchen. Dabei definiert er Gelin­gen mit klaren Kri­te­rien und zeigt auch auf, mit welchen Ressourcen und Ein­flüssen „Gelin­gen“ möglich wird. Er möchte die Zusam­men­hänge in den musik­beru­flichen Lebenswel­ten erforschen. Dabei ist ihm die Mark­t­bear­beitung beson­ders wichtig, da ohne Rezip­i­ent keine Dien­stleis­tung entste­ht.
Method­isch wählt er einen sys­temthe­o­retis­chen Ansatz und unter­stre­icht damit die Notwendigkeit, in diesem Unter­suchungs­feld unter­schiedliche Forschungsrich­tun­gen (Psy­cholo­gie, Wirtschaftswis­senschaften, Sozi­olo­gie) zu nutzen. Unternehmerische Kom­pe­ten­zen, die ver­standen wer­den als die Fähigkeit, Ideen in die Tat umzuset­zen, ste­hen im Fokus und damit die Frage, ob die Ver­mit­tlung von mehr ökonomis­chem Know-how ein Lösungsansatz wäre.
Müller stellt ins­ge­samt acht Hypothe­sen auf. Diese wer­den zunächst in par­tialen Struk­tur­mod­ellen geprüft und anschließend zu einem Totalmod­ell zusam­menge­führt. Dabei ergeben sich zwis­chen dem Par­tialmod­ell und dem Totalmod­ell unter­schiedliche Ergeb­nisse. Dies bew­ertet der Autor als Bestä­ti­gung für die Kom­plex­ität der Zusam­men­hänge und die Nutzung des sys­temthe­o­retis­chen Ansatzes. Der empirische Teil der Unter­suchung ist sehr sorgfältig und detail­liert bear­beit­et, für die Betrof­fe­nen aber sich­er auch schw­er zugänglich.
Müller fügt, ger­ade durch die ganzheitliche Sichtweise, ein wichtiges Puz­zleteil in die vorhan­de­nen Unter­suchun­gen ein und sen­si­bil­isiert für Unter­schiede in den Beruf­s­grup­pen von päd­a­gogisch täti­gen ver­sus kün­st­lerisch täti­gen Beruf­s­musik­ern. Vor allem die Aus­bil­dungs­be­triebe (Musikhochschulen) kön­nen zahlre­iche Anre­gun­gen für eine pass­ge­nauere Vor­bere­itung auf die Arbeit­sre­al­itäten daraus ziehen. Für Lob­by­is­ten in Sachen Arbeits­feld Musik kön­nen die Ergeb­nisse eben­falls von großem Nutzen sein.
Petra Schnei­dewind