Werke von Jacqueline Fontyn, Carin Bartosch Edström, Samuel Adler und anderen

Ich ließ mich von den Lüften in raschen Zügen dahin tragen

Violin Duos vol. 5. Duo Gelland

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Naxos Schweden/Nosag
erschienen in: das Orchester 03/2020 , Seite 72

Seit sein­er Grün­dung im Jahr 1994 hat sich das Duo Gel­land kon­se­quent für die Beset­zung mit zwei Vio­li­nen einge­set­zt und eine große Anzahl zeit­genös­sis­ch­er Kom­po­si­tio­nen angeregt. Einen Teil des über die Jahre hin­weg kon­tinuier­lich angewach­se­nen und in den meis­ten Fällen für das Duo ent­stande­nen Reper­toires – näm­lich 31 Werke von ins­ge­samt 28 Kom­pon­is­ten – haben Mar­tin und Cecil­ia Gel­land ein­er 2003 begonnenen, auf ins­ge­samt sechs Teile angelegten CD-Rei­he anver­traut. Diese find­et nun mit dem nachträglich veröf­fentlicht­en fün­ften Teil ihren Abschluss.
Wie immer haben die bei­den Musik­er eine ästhetisch het­ero­gene Auswahl von Kom­po­si­tio­nen zusam­mengestellt und sie – dies­mal dem Mot­to „Ich ließ mich von den Lüften in raschen Zügen dahin tra­gen“ aus einem Gedicht Karo­line von Gün­der­rodes (1780–1806) fol­gend – zu einem schlüs­si­gen Gesamt­bild geformt. Dies gelingt dadurch, dass allen Arbeit­en die Auseinan­der­set­zung mit gestis­chen und tänz­erischen Kom­po­nen­ten gemein­sam ist, was den Musik­ern ein bisweilen extremes Maß an tech­nis­ch­er Beweglichkeit und zugle­ich größt­mögliche Fex­i­bil­ität im Umgang mit den zu erzeu­gen­den Klang­far­ben abver­langt.
Jacque­line Fontyn (*1930) reflek­tiert die Duobe­set­zung in Analec­ta (1981) anhand von sechs Minia­turen und nimmt dabei jew­eils auf eng­stem Raum einen ganzen Kos­mos geigerisch­er Aus­drucksmöglichkeit­en in Anspruch. Par­a­dig­ma­tisch für den hier­bei erzeugten musikalis­chen Reich­tum ist das Nacheinan­der des an fün­fter Stelle platzierten „Misterioso“-Stücks (mit wilden Sor­di­no-Klang­wirbeln) und des nach­fol­gen­den „Cantabile“-Satzes, der den Zyk­lus mit ein­er viel­stim­mi­gen Klan­gent­fal­tung been­det. Ver­gle­ich­bar greift auch Samuel Adler (*1928) in den Five Relat­ed Minia­tures (2014) zu ein­er Abfolge kurz­er Stücke. Indem seine im Zusam­men­spiel anspruchsvolle Musik unter­schiedliche dial­o­gis­che Hal­tun­gen befragt, eröffnet jede einzelne Miniatur einen neuen Hör­winkel auf die Duobe­set­zung.
Die übri­gen Kom­po­si­tio­nen der Pro­duk­tion fol­gen hinge­gen ein­sätzi­gen Konzep­tio­nen: In Asth­mose (2006) von Carin Bar­tosch Edström (*1965) wird das Duo Gel­land mit ein­er wendi­gen Musik kon­fron­tiert, deren kom­plexe Fig­u­ra­tio­nen oft in hohen Reg­is­tern lokalisiert sind. Geschickt wer­den – einem Gespräch mit aller­lei Wen­dun­gen ver­gle­ich­bar – viele vari­able Ton­fälle miteinan­der ver­bun­den, wech­selt die Musik von ein­er Sit­u­a­tion zur näch­sten, um dann in eine choralähn­liche Schlusspas­sage zu mün­den.
Auch in Vol­ley (2016) von Brit­ta Byström (*1974) kreist der Vor­trag der Vio­lin­is­ten um verän­der­liche Tex­turen, gipfelt dies­mal aber – einen erfrischen­den Humor ver­strö­mend – in der Unter­stützung melodis­ch­er Tupfer durch ton­höhen­ge­naues Pfeifen. Die irisieren­den Farb­w­erte der Kom­pos­tion Two lives (2013) von Marie Samuels­son (*1956) muten schließlich wie ein gegen­seit­iges, liebevolles Umschme­icheln und Betas­ten bei­der im Vor­trag fein aufeinan­der abges­timmten Duopart­ner an.

Ste­fan Drees