Johannes Brahms

Hungarian Dances

arranged by Joseph Joachim. Sabrina-Vivian Höpcker (Violine), Fabio Bidini (Klavier)

Rubrik: CD
Verlag/Label: Delos
erschienen in: das Orchester 04/2019 , Seite 74

Die Ungarischen Tänze von Johannes Brahms erfreuen sich unge­brochen großer Beliebtheit. Dies zeigt sich nicht nur in der Auf­führung­shäu­figkeit in Konz­erten, son­dern auch in den Zahlen der CD-Pro­duk­tio­nen. Auch die Ham­burg­er Geigerin Sab­ri­na-Vivian Höpck­er veröf­fentlichte 2018 zusam­men mit dem Pianis­ten Fabio Bidi­ni eine Auf­nahme der 21 Tänze in der von Joseph Joachim bear­beit­eten Fas­sung für Vio­line und Klavier.
Höpck­ers Geigen­spiel entspricht dabei eins zu eins ihren Fotos auf dem Cov­er der CD: Sie ist dort in ungarisch­er Tra­cht, mit fliegen­den Haaren und herumgewirbel­ten Noten zu sehen. So „wirbelt“ sie auch einem ungarischen Feuer­w­erk gle­ich müh­e­los durch die 21 Tänze. Dabei fällt sofort die makel­lose Into­na­tion der Geigerin auf. Dop­pel­griff­pas­sagen und Sechzehn­tel­läufe spielt sie präzise, bril­lant und teils in reko­rd­verdächtigem Tem­po. Ihr bre­ites Klang­far­ben­spek­trum lei­det dabei nie unter den geigerischen Höch­stschwierigkeit­en. So gestal­tet sie die Tänze mit lufti­gen, ver­spiel­ten und leicht­en Klän­gen wie beispiel­sweise in Tanz Nr. 18 bis hin zur melan­cholis­chen Schwere wie zu Beginn von Tanz Nr. 11. Als Parade­beispiel sei hier auch der dritte Tanz erwäh­nt, den die Musik­er mit vor­witziger Leichtigkeit begin­nen, ehe sie sich im Mit­tel­teil bis ins Bedrohliche steigern, um wieder in der ver­spiel­ten Leichtigkeit des Anfangs zu enden.
Höpck­ers aus­drucks- und effek­tvolles Spiel der Ungarischen Tänze lebt vom reich­lichen, fast schon stra­paz­iösen Gebrauch des Ruba­to. Das mag auf den einen oder anderen Zuhör­er zunächst unge­wohnt und vielle­icht sog­ar anstren­gend wirken, ins­beson­dere wenn man die „ruba­to-schlankere“ Ein­spielung der Tänze 1, 2, 7 und 9 von Perl­man und Ashke­nazy kennt.
Dieser außergewöhn­lich inten­sive Ruba­to-Gebrauch erfordert ein per­fek­tes Zusam­men­spiel mit dem Klavier­part­ner – und das bieten Höpck­er und Bidi­ni ein­deutig. Bidi­ni erweist sich dabei als fabel­hafter Begleit­er, der es ver­ste­ht, der Joachim’schen Bear­beitung gemäß der Vir­tu­osität der Vio­line den Vor­tritt zu lassen. Dabei ste­ht er aber keines­wegs im Schat­ten der Geige, son­dern glänzt mit gle­ich­sam schweben­der Leichtigkeit bei schnellen Läufen (u.a. im Tanz 1), bietet gekon­nt den pack­enden rhyth­mis­chen Unter­bau (z.B. im Tanz 18) und schwel­gt schwärmerisch aber nie zu auf­dringlich in den gesan­glichen Pas­sagen (Tanz 17). Klavier­spiel mit traumwan­d­lerisch­er Sicher­heit auf höch­stem Niveau!
Alles in allem bieten Höpck­er und Bidi­ni eine lei­den­schaftliche, erfrischend andere Ein­spielung der beliebten Ungarischen Tänze von Johannes Brahms. Die auf­nah­me­tech­nisch her­vor­ra­gend aus­tari­erte Auf­nahme und nicht zulet­zt auch das in Englisch gehal­tene Book­let mit weit­eren Details zur Entste­hungs­geschichte des Werks wie zu den Kün­stlern sind weit­ere Plus­punk­te dieser CD. Für Hör­er, die auf der Suche nach ein­er nicht alltäglichen Auf­nahme der Ungarischen Tänze von Brahms sind, daher eine ein­deutige Kaufempfehlung!

Gabriele Hirte