Hubertusmesse auf Schloss Augustusburg

Hornklasse Prof. Thomas Hauschild

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Auris Subtilis as-c 5053 – 2000
erschienen in: das Orchester 03/2012 , Seite 80

Diese CD mit der Huber­tusmesse dient als „Vis­iten-Karte“ des säch­sis­chen Jagdschloss­es Augus­tus­burg. Es soll aber auch als Unter­stützung und Moti­va­tion der Stu­den­ten der Horn­klasse Prof. Thomas Hauschild von der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig ver­standen wer­den. Auf Ein­ladung der Säch­sis­chen Mozart-Gesellschaft gab das Hor­nensem­ble ein Konz­ert auf Schloss Augus­tus­burg und spielte daraufhin die CD ein. Die jun­gen ange­hen­den Hor­nisten bere­it­en sich nicht nur auf eine Orch­ester­musik­er-Lauf­bahn vor, son­dern musizieren auch in gesel­li­gen Kol­le­gen- und Fre­un­deskreisen. Die Erfahrung, eine CD aufzunehmen, sowie Hor­nensem­ble-Auftritte der Horn­klasse bilden einen wichti­gen Schw­er­punkt im Horn­studi­um. Nicht nur die musikalis­chen Ergeb­nisse, son­dern auch die päd­a­gogis­chen Auf­gaben wer­den her­vorge­hoben.
Die Huber­tusmesse ist auf den Heili­gen Huber­tus zurück­zuführen. Der im 8. Jahrhun­dert lebende Bischof von Lüt­tich ist bekan­nt als Schutz­pa­tron der Jagd, nach­dem er eine Vision von einem mächti­gen Hirsch mit einem Kruz­i­fix zwis­chen dem Geweih hat­te und zum Glauben bekehrt wurde. Um das Abhal­ten der litur­gis­chen Messe vor und nach der Jagd zu ermöglichen, erset­zten blasende Hörn­er die fehlende Kirchen­musik. Mit ein­er im 19. Jahrhun­dert ent­stande­nen Liturgie für Par­force­hörn­er fol­gen die jun­gen Hor­nisten aus Leipzig damit einem Jahrhun­derte alten Brauch. Als Noten­vor­lage dient die 1934 veröf­fentlichte und seit­dem bekan­nteste Zusam­men­stel­lung Grande Messe de Saint Hubert von Jules Can­tin (1874–1956) für diese Ein­spielung. Die Musik­er spie­len nicht, wie herkömm­lich, auf Par­force­hörn­ern mit einem weit­eren Win­dungs-Durchmess­er, son­dern auf ihren Dop­pel­hörn­ern, die aber genau­so weich und voll im Ton klin­gen. Die so genan­nten Cloches et Car­il­lons, glock­e­nar­tige Klänge, sind in der Schlosskirchen-Akustik auf Augus­tus­burg sehr ein­drucksvoll zu hören.
Neben der Huber­tusmesse sind weit­ere Werke auf dieser CD vorhan­den, von Rossi­nis Le Ren­dez-vous de Chas­se über Karl Stieglers Siegfried Fan­tasie bis hin zu Konz­er­tante Musik für acht Hörn­er op. 78 von Jan Koet­si­er. Das Pro­gramm wird mit ein­er Bear­beitung des Car­naval romain von Hec­tor Berlioz abgerun­det. Alle aufgenomme­nen Stücke weisen auf eine her­vor­ra­gende, tech­nisch sou­veräne und musikalisch sen­si­ble Spielkul­tur der Horn­klasse hin.
Der Text des CD-Book­lets ist zweis­prachig, deutsch und englisch. Das Book­let bein­hal­tet u.a. viel Inter­es­santes über das Jagdschloss: die Jagd zur Zeit von Kur­fürst August, das Jag­drecht sowie ein Auszug der Jag­dreg­is­ter von 1611 bis 1650 mit eine Auflis­tung der Beute. Mit ein­er Fülle von Farb­fo­tos der Horn­klasse beim Konz­ert sowie des Schloss­es wird der Zuhör­er beim Lesen des Book­lets und Hören der CD ins Ambi­ente des Schloss­es Augus­tus­burg und des dor­ti­gen Konz­erts ver­set­zt.
Thomas Swart­man