Richard Strauss

Hornkonzert Nr. 1

Es-Dur op. 11, Urtext, Klavierauszug / Studienpartitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Henle
erschienen in: das Orchester 02/2021 , Seite 66

Das erste Hornkonz­ert op. 11 von Richard Strauss gehört neben Mozarts Hornkonz­erten zu den bekan­ntesten und meist­ge­spiel­ten Solokonz­erten für Horn. Im Jahr 1882 kom­ponierte Strauss mit nur 18 Jahren das Konz­ert für Horn mit Klavier­be­gleitung für seinen Vater Franz Strauss, der Solo­hor­nist im Münch­n­er Hoforch­ester war. Zur Entste­hungszeit des Hornkonz­erts spielte Richard Strauss Vio­line im Laienorch­ester „Wilde Gung’l“, das von seinem Vater geleit­et wurde. Richard hat­te bere­its mehrere Stücke veröf­fentlicht und auch für jenes Orch­ester geschrieben. Da der Vater aus Alters­grün­den das Hornkonz­ert selb­st nicht mehr auf­führen kon­nte, wurde es 1882 in München von Bruno Hoy­er, einem ehe­ma­li­gen Horn­stu­den­ten von Franz Strauss, mit Richard Strauss am Klavier uraufge­führt.
Spätestens bis Ende 1883 vol­len­dete Richard Strauss die Orchestrierung für das Hornkonz­ert. Anfang 1884 stellte er seine Kom­po­si­tion dem Pianis­ten und Diri­gen­ten Hans von Bülow, der Strauss inten­siv förderte, vor. Im März 1885 wurde das Werk mit dem Orch­ester in Meinin­gen unter der Leitung von Bülows uraufge­führt. Der Meininger Hor­nist Gus­tav Lein­hos war der Solist.
1884 erhielt der Münch­n­er Musikver­lag Joseph Aibl die Abschrift des Klavier­auszugs und der Solostimme vom Kom­pon­is­ten. Auf Anre­gung von Hans von Bülow und Franz Strauss wur­den vor der Veröf­fentlichung einige Änderun­gen am Klavier­auszug und der ein­gelegten Horn­stimme vol­l­zo­gen. Zwei Jahre später wurde die Aus­gabe für Horn solo und Orch­ester auch mit eini­gen Änderungsvorschlä­gen veröf­fentlicht.
Durch die vie­len Nachverbesserun­gen und die eilige Veröf­fentlichung ent­standen etliche Diskrepanzen zwis­chen dem Solopart und der über­schriebe­nen Horn­stimme im Klavier­auszug. Dies gilt auch für die später erschienene Orch­ester­par­ti­tur und die Orch­ester­stim­men. Franz Strauss fer­tigte von der Horn­stimme eine Abschrift mit eige­nen Verbesserun­gen bezüglich Artiku­la­tion und Dynamik an. Die von ihm im Solopart z. B. zahlre­ich notierten Atemze­ichen dienen nicht als strik­te Anweisung, son­dern geben Möglichkeit­en zur Atmung an. Manche sein­er Vorschläge hat der junge Strauss über­nom­men und hand­schriftlich in die Abschrift für den Ver­lag einge­tra­gen.
Bülow hat­te bere­its etliche Änderun­gen bei Tut­tis­tellen vorgenom­men, weil ihm das Stück bess­er gefall­en würde, wenn die altväter­lichen Tut­ti etwas gekürzt oder mehr gewürzt wür­den.
Mit Rück­sicht auf das Orig­i­nal von Richard Strauss und die Erstaus­gabe der Orch­ester­stim­men wurde die Urtext-Klavier­stimme von Johannes Umbre­it bear­beit­et.
Der Her­aus­ge­ber Peter Damm hat für die hier vor­liegende Urtext-Aus­gabe die autorisierten Quellen von Richard Strauss herange­zo­gen. Der akribisch gear­beit­eten Aus­gabe liegt eine inten­sive Recherche zugrunde, die Klarheit ver­schafft und eine Bere­icherung ist für das Ver­ständ­nis und die Möglichkeit­en dieses bril­lanten Werks.
Thomas Swart­man