Frederik Köster

Homeward Bound Suite

Frederik Köster (Trompete), Sebastian Sternal (Klavier), Joscha Oetz (Kontrabass), Jonas Burgwinkel (Schlagzeug), Philharmonisches Orchester Hagen, Ltg. Florian Ludwig

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Traumton
erschienen in: das Orchester 06/2018 , Seite 71

Für Jazzmusik­er erfüllt sich meist ein Traum, wenn sie einen Kom­po­si­tion­sauf­trag für ihre Band plus Sin­fonieorch­ester erhal­ten – so auch für den Trompeter Fred­erik Köster, als er für das Fes­ti­val „Sauer­­land-Herb­st“ 2016 einen Kom­po-sition­sauf­trag für ein Konz­ert des Phil­har­monis­chen Orch­esters Hagen und seines Jaz­zquar­tetts „Die Ver­wand­lung“ erhielt. Die Arbeit an der Par­ti­tur prägte das Ziel ein­er, so Köster selb­st, „Begeg­nung“ von Jazzband und Orch­ester. Damit ste­ht er nicht allein. Eine Syn­these der Klang­wel­ten gelang bis­lang kaum einem Kom­pon­is­ten.
Köster leit­et seine “Home­ward Bound Suite” mit orches­tralen Wellen­be­we­gun­gen ein, aus denen sich zunächst die Holzbläs­er und später das Jaz­zquar­tett her­auss­chälen, während das Orch­ester unter­mal­end in den Hin­ter­grund tritt. Dieses für den Pro­log prä­gende Motiv wieder­holt sich in weit­eren Sätzen des sieben­teili­gen Werks: im Titel­stück „Home­ward Bound“ und dem „Epi­log“. Dabei wird es in Ersterem von der Jaz­zrhyth­mus­gruppe, von Köster, den Stre­ich­ern, dem Jaz­zquar­tett und dem Orch­ester aus­gedeutet, während sich Kösters Trompete in der Schlussnum­mer in das Orch­ester inte­gri­ert.
Hier und in den übri­gen vier Sätzen stellt Köster die Band und das Orch­ester einan­der gegenüber. So beste­ht zum Beispiel die Grund­struk­tur von „Fam­i­ly Tree“ aus Orch­esterein­leitung, Jaz­zquar­tett mit Orch­ester­hin­ter­grund, Neuauf­bau durch das Orch­ester und einem gemein­samem Pow­er-Finale. Ähn­lich ein­fach ist auch „Das Land der 1000 Berge“ gegliedert. Hier ent­führen Harfe und Holzbläs­er in roman­tis­che Gefilde, auf die Kösters Trompete zunächst mit Glan­zlichtern reagiert, bevor diese verebben.
Die „Wurzeln und Flügel“ span­nen den Bogen von fast sakralen Bläsern über eine verträumte Quar­tettpas­sage, eine kantige Orch­ester­pas­sage mit inte­gri­ertem Schlagzeug­so­lo zur Solovi­o­line, die über einem Stre­ichertep­pich ins Off schwebt. „Kyrill“ wiederum ist primär eine Quar­tet­tnum­mer, in die sich das Orch­ester mehrmals ein­klinkt und wieder zurückzieht: alles ganz nett, aber kein High­light kom­plex­er zeit­genös­sis­ch­er Kom­po­si­tion­skun­st.
Ander­er­seits greift Köster von der Roman­tik und Film­musik viele Hörge­wohn­heit­en auf. Er mei­det alles Sper­rige und arrang­iert ins­beson­dere während der Pas­sagen, in denen die Jazzband oder er selb­st im Vorder­grund ste­hen, mehr flächige, über­raschungsarme Orch­ester­hin­ter­gründe. Dabei ste­ht er eher in der Tra­di­tion der Radio- und Fernse­horch­ester, die seit den 1950er Jahren pop­uläre Melo­di­en für den Hör­funk oder Fernsehshows auf­bere­it­et haben oder neue unter­halt­same Werke in diesem Feld der leicht­en Muse kom­ponieren ließen.
Der Mitschnitt der Urauf­führung vom 2. Novem­ber 2016 in der Stadthalle Mül­heim bietet ein an-genehmes, aus­ge­wo­genes Klang­bild ohne Über­be­to­nun­gen oder Ver­nach­läs­si­gung einzel­ner Grup­pen. Orch­ester, die neben dem tradierten Reper­toire eine Cross-over-Schiene ein­gerichtet haben, wer­den ihr Pub­likum mit ein­er eige­nen Auf­führung sich­er erfreuen.
Wern­er Stiefele