Rohrmaier, Rudolf

Hofkapellmeister Alban Förster

Ein Reichenbacher Musiker im Spiegelbild seiner Zeitgenossen, Schriftenreihe des Neuberin-Museums, Bd. 30

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Neuberin-Museum, Reichenbach 2012
erschienen in: das Orchester 03/2013 , Seite 63

Das 1994 im west­säch­sis­chen Reichen­bach eröffnete Neu­berin-Muse­um pflegt nicht allein das Andenken der großen The­ater­refor­ma­torin Friederike Car­o­line Neu­ber. Die Ein­rich­tung erin­nert in Abstän­den auch an andere bedeu­tende Töchter und Söhne der Stadt. So wid­met sich der jüng­ste Band der Schriften­rei­he des Muse­ums dem Musik­er Alban Förster (1849–1916), der es in Neustre­litz zum Hofkapellmeis­ter brachte, dessen Oper Lor­le nach der Urauf­führung 1891 am Dres­d­ner Hofthe­ater über eine Rei­he weit­er­er deutsch­er Büh­nen ging und der sein­erzeit vor allem als Lied­kom­pon­ist geschätzt war.
Der Ver­fass­er der Pub­lika­tion, der Reichen­bach­er Medi­zin­er Rudolf Rohrmaier, forschte fünf Jahre in Archiv­en und Bib­lio­theken, kor­re­spondierte eifrig mit Musik­wis­senschaftlern und His­torik­ern, um Licht in Leben und Werk des Sohnes eines kleinen Tex­tilun­ternehmers zu brin­gen. Damit erwies Rohrmaier nicht allein der Vater­stadt einen Dienst; sein in 14 Kapi­tel gegliedertes, eine klare, ein­fache Sprache bevorzu­gen­des Buch lenkt den Blick auf eine exem­plar­ische deutsche Musik­erex­is­tenz in der zweit­en Hälfte des 19. Jahrhun­derts sowie auf zwei inter­es­sante Orch­ester­stan­dorte. Förster, in Dres­den als Geiger, Pianist und Kom­pon­ist aus­ge­bildet, entschei­det sich 1871 nach Stip­pvis­iten in Karls­bad, Stet­tin und Bres­lau für die niedrig dotierte, aber sichere Stelle eines ersten Vio­lin­is­ten in der Hofkapelle des gut 100000 Ein­wohn­er zäh­len­den Großher­zog­tums Meck­len­burg-Neustre­litz. Nach einem Zwis­chen­spiel als Lehrer am Dres­d­ner Kon­ser­va­to­ri­um wirkt er in Neustre­litz dann von 1882 bis 1908 als Hofkapellmeis­ter und Leit­er der dor­ti­gen Sin­gakademie.
Rohrmaier gibt detail­liert Auskun­ft über Orch­ester­stärken, Spielpläne, Rechtsver­hält­nisse, soziale Prob­leme. Wir erfahren, dass die Stadtkapelle Reichen­bach große Teile des klas­sis­chen und roman­tis­chen Reper­toires gepflegt hat, dass in Neustre­litz Großher­zo­gin Augus­ta Car­o­line Proben wie Auf­führun­gen laut­stark kom­men­tierte und auch das let­zte Wort hat­te, wollte sich ein Mit­glied der knapp 30-köp­fi­gen Hofkapelle ver­heirat­en. An ihrem Hof herrschte überdies ein strik­tes Leis­tung­sprinzip. Zu Dien­stantritt wurde selb­st dem Hofkapellmeis­ter nur ein knappes Salär gewährt. Alles Weit­ere – etwaige Zula­gen, Nat­u­ralien, Pen­sio­nen – lag bei treuer Pflichter­fül­lung im Belieben der Herrschaft.
Auf welch­er Höhe die Hofkapelle stand, die Förster von August Klughardt über­nahm, zeigt die Beru­fung von acht Musik­ern 1876 ins erste Bayreuther Fest­spielorch­ester. Inter­es­sant des Weit­eren die Belege, die Rohrmaier für die europaweite Ver­net­zung von Inter­pre­ten und Kom­pon­is­ten anführt. Auch im viel­ge­priese­nen roman­tis­chen Jahrhun­dert lief ohne ein ständi­ges Geben und Nehmen nichts. Försters Kom­po­si­tio­nen, die der Autor akribisch auflis­tet, scheinen im Übri­gen ein­er erneuten Prü­fung wert. Jüngst führte die Vogt­land Phil­har­monie Greiz/Reichenbach seine 1885 für ein Thron­ju­biläum geschaf­fene Fes­tou­vertüre in D‑Dur auf. Die kon­nte sich, beste schwerblütige Spätro­man­tik, hören lassen.

Volk­er Müller