Sergej Newski

Heath

für Viola und Streichorchester, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Ricordi, Berlin
erschienen in: das Orchester 01/2020 , Seite 67

Der rus­sis­che Kom­pon­ist Sergej News­ki wurde 1972 in Moskau geboren und begann seine Stu­di­en am dor­ti­gen Kon­ser­va­to­ri­um. Anschließend set­zte er sein Kom­po­si­tion­sstudi­um an der Dres­d­ner Musikhochschule bei Jörg Herchet und an der Uni­ver­sität der Kün­ste in Berlin bei Friedrich Gold­mann sowie bei Hart­mut Fladt fort.
Er gehört inzwis­chen zu den erfol­gre­ichen Kom­pon­is­ten der jün­geren Gen­er­a­tion und erhielt zahlre­iche inter­na­tionale Ausze­ich­nun­gen (u.a. Wien 2006, Berlin 2014), war Stipen­di­at der Vil­la Auro­ra in Los Ange­les. Seine Kom­po­si­tio­nen wer­den bei inter­na­tionalen Fes­ti­vals wie z.B. in Donaueschin­gen, bei Wien Mod­ern und Musi­ca Viva (München), beim Warschauer Herb­st aufge­führt. News­ki erhielt Kom­po­si­tion­saufträge durch das Konz­erthaus Berlin, von der Staat­sop­er Unter den Lin­den, der Oper des Bolschoi-The­aters, vom Klang­fo­rum Wien, vom Deutsch­landra­dio und vom Süd­west­funk.
Sein am 1. Mai 2018 in Yaroslavl (Rus­s­land) uraufge­führtes Werk Heath für Vio­la und Stre­i­chorch­ester ist, anders als der Titel es nen­nt, neben den genan­nten Instru­menten auch mit Harfe, Klavier und Per­cus­sion beset­zt. Die Auführungs­dauer beträgt zwölf Minuten. Wie der Titel anzeigt, spielt die Vio­la solis­tisch, die übri­gen Stre­ich­er – ohne Tut­tibratsche – cho­risch. Das kom­plette Stück ste­ht in einem ruhi­gen Zeit­maß von q = 60 im Dreivierteltakt. Durch das ruhige Tem­po und die sehr ver­hal­tene Dynamik – sie bewegt sich mit sehr feinen Bin­nen­dif­feren­zierun­gen zwis­chen vier­fachem Piano und Mez­zo­forte – wird ein sehr trans­par­entes, nahezu gläsernes Klang­bild ermöglicht.
Eine aus­führliche Leg­ende klärt die erforder­lichen Spiel­tech­niken, ins­beson­dere für das Schlagzeug und die Ver­wen­dung der Anreger (Schlege­larten, Fin­gerkup­pen). Aus­ge­fal­l­ene „neue“ Spiel­tech­niken wer­den in über­schaubarem Rah­men ver­wen­det, so das Fin­ger­nagel­glis­san­do auf der Umspin­nung der Har­fen­saite, das Semi­fla­geo­lett der Stre­ich­er (Fla­geo­lettspiel an Sait­en­stellen, an denen keine natür­lichen Fla­geo­lette entste­hen), col leg­no bat­tuto und saltan­do, „tap­ping“ (häu­fig), „Bogenknar­ren“ auf dem Kon­tra­bass und Hand­dämp­fung der Sait­en des Klaviers.
Zwar ist der spiel­tech­nis­che Anspruch des Werks auf den ersten Blick nicht hoch, aber die Ver­wen­dung der genan­nten Spiel­tech­niken sowie die dur­chaus kom­plizierte Mikrorhyth­mik erfordern eine gründliche Auseinan­der­set­zung mit dem Stim­men­ma­te­r­i­al.
Auf­gund der frag­men­tarisieren­den und kom­ple­men­tären Kom­po­si­tion­stech­nik ist die Kom­po­si­tion nur aus der Par­ti­tur ver­steh- und spiel­bar, was allerd­ings zu einem Umblät­ter­prob­lem führt bzw. eine sehr gründliche Mate­ri­alein­rich­tung erfordert. In jedem Fall benötigt eine Auf­führung erhe­bliche Pro­fes­sion­al­ität -der Aus­führen­den und ist mit einem nicht uner­he­blichen Aufwand ver­bun­den.
Uwe Gäb