Werke von Alberto Ginastera, Claude Debussy und François-Adrien Boieldie

Harp Concertos

Anaïs Gaudemard (Harfe), Orchestre de l’Opéra de Rouen Normandie, Ltg. Leo Hussain

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Claves 50-1613
erschienen in: das Orchester 03/2017 , Seite 73

Anaïs Gaude­mard, geboren 1991, kann schon in ihren jun­gen Jahren auf eine glänzende inter­na­tionale Kar­riere zurück­blick­en. Noch während ihres über­aus erfol­gre­ichen und mit Preisen gekrön­ten Studi­ums am Con­ser­var­toire Nation­al von Lyon und der Haute École de Musique von Lau­sanne gewann sie 2012 den ersten Preis bei dem berühmten inter­na­tionalen Har­fen­wet­tbe­werb in Israel. Neben zahlre­ichen darauf­fol­gen­den Solokonz­erten gibt sie bere­its auf der ganzen Welt Meis­terkurse. 2016 gewann sie den zweit­en Preis beim ARD-Wet­tbe­werb in München.
Anaïs Gaude­mard erhielt 2015 den „Thier­ry Scherz Preis“ auf dem Fes­ti­val der Som­mets Musi­caux in Gstaad. Das ermöglichte ihr, die vor­liegende CD mit drei bedeu­ten­den Har­fenkonz­erten einzus­pie­len. Ihre Begeis­terung für die Harfe drückt sie im Book­let u.a. so aus: „Ich liebe die Harfe auf Grund all dessen, was man von ihr nicht ken­nt, denn für mich ist sie gren­zen­los…“ Diese Hochachtung spürt man in ihrer Spiel­weise: über­aus warme Tonge­bung, kein schar­fer Klang im Forte, bril­lante per­lende Tech­nik, hohe Musikalität und Sen­si­bil­ität. All das ver­mochte auch die Ton­tech­nik umzuset­zen. Selb­st in extrem laut­en Begleit­phasen des Orch­esters bleibt die Harfe präsent.
Die drei aus­gewählten Konz­erte sind wahre Perlen der Har­fen­lit­er­atur. Bei dem aus Argen­tinien stam­menden und beson­ders der Folk­lore seines Lan­des ver­bun­de­nen Kom­pon­is­ten Alber­to Ginastera wer­den sowohl von der Har­fen­solistin als auch vom Orch­ester die extrem rhyth­misch spritzi­gen und tem­pera­mentvollen Eck­sätze sou­verän gemeis­tert. Sehr lyrisch spielt sie den langsamen Satz und die Kadenz zu Anfang des drit­ten Satzes.
Als zweites Konz­ert fol­gen die berühmten Danse sacrée und Danse pro­fane für Harfe und Stre­ich­er von Claude Debussy. Wun­der­schön spielt Gaude­mard Danse sacrée. Das Acceleran­do im Mit­tel­teil – ein seel­is­ches Auf­bäu­men – kommt sehr gut von der Solistin und dem Orch­ester zur Gel­tung. Und dann stimmt endlich der Rhyth­mus am Schluss dieses Satzes in der Harfe, was man lei­der sel­ten erlebt. Im Danse pro­fane zeigt sie viel Tem­pera­ment. Ani­méz-Teile spielt sie äußerst vir­tu­os und der Ruba­to-Abschnitt hat ein kom­pe­tentes Tem­po – gekrönt mit den rhyth­misch kor­rek­ten Quin­tolen am Schluss. Ein rauschen­der Abschluss been­det dieses grandiose Werk.
Das dreisätzige Konz­ert von François-Adrien Boield­ieu ist das dritte Werk auf dieser CD. Das liebenswerte klas­sis­che Stück spielt Anaïs Gaude­mard sehr sauber und bril­lant. Vor allen Din­gen die Triller in den Sätzen erfreuen mich, und sämtliche Tem­pi sind nicht über­zo­gen. Zwei aus­gedehnte Kaden­zen fügt sie in die Sätze ein. Das Orch­ester begleit­et auch in diesem Konz­ert die Solistin sehr gut und exakt.
Diese CD kann ich allen, die Har­fen­musik lieben und schätzen, nur empfehlen, schon allein wegen der her­vor­ra­gen­den Leis­tung der Solistin.
Mar­i­on Hofmann