Freia Hoffmann (Hg.)

Handbuch Konservatorien

Institutionelle Musikausbildung im deutschsprachigen Raum des 19. Jahrhunderts, 3 Bände

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Laaber
erschienen in: das Orchester 03/2022 , Seite 62

Mit der Grün­dung von Kon­ser­va­to­rien erfol­gte im Deutsch­land des 19. Jahrhun­derts eine Pro­fes­sion­al­isierung und Insti­tu­tion­al­isierung der Musikaus­bil­dung. Repräsen­ta­tiv genan­nt wird hier­für gern die Grün­dung des Leipziger Kon­ser­va­to­ri­ums durch Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1843. Viele der damals gegrün­de­ten Insti­tu­tio­nen existieren bis heute als Musikhochschulen. Im kul­turellen Leben und auch für die Musikgeschichte spie­len die Kon­ser­va­to­rien eine wichtige Rolle, welche in der Forschung jedoch oft unter­schätzt wird. So bilden sie für die Ergrün­dung von Lehrer-Schüler-Ver­hält­nis­sen, der Rekon­struk­tion von Kün­stler­fre­und­schaften oder ästhetis­chen Kon­ti­nu­itäten als zen­trale Begeg­nung­sorte der dama­li­gen Pro­tag­o­nis­ten des Musik­lebens wichtige Anhaltspunkte.
Mit der vor­liegen­den dreibändi­gen Pub­lika­tion wird dieses Vaku­um nun endlich angemessen gefüllt. Zu Beginn von Band 1 erläutert die Her­aus­ge­berin Freia Hoff­mann den his­torischen Kon­text der Kon­ser­va­to­ri­ums­grün­dun­gen sowie den Forschungs­stand, woraus zugle­ich das Ziel des Pro­jek­ts her­vorge­ht: eine sys­tem­a­tis­che Darstel­lung der wichtig­sten Kon­ser­va­to­rien des 19. Jahrhun­derts im deutschsprachi­gen Raum. Die getrof­fene Auswahl an Insti­tu­tio­nen wird dabei nachvol­lziehbar und überzeu­gend dargelegt. Sehr zu begrüßen ist der method­is­che Ansatz mit einem Zusam­men­tra­gen aller ver­füg­baren Quellen sowie die ein­heitliche Gliederung der Einzel­darstel­lun­gen zu den jew­eili­gen Ein­rich­tun­gen. So umfassen die Beiträge jew­eils Aspek­te wie Geschichte – zusät­zlich durch einen Überblicks- kas­ten ver­an­schaulicht –, Finanzierung, inhaltliche Aus­gestal­tung des Studi­ums ein­schließlich Neben­fäch­er, Konz­er­tak­tiv­itäten und nicht zulet­zt Sta­tis­tiken zu Studieren­den sowie namentliche Auflis­tun­gen von Lehren­den neb­st Kurzbi­ografien. Der ein­heitliche Auf­bau der Einzel­darstel­lun­gen ermöglicht nicht nur eine gute Ori­en­tierung, son­dern gewährleis­tet zudem eine leichte Ver­gle­ich­barkeit der einzel­nen Lehranstal­ten. Sämtliche Infor­ma­tio­nen sind durch Fußnoten mit Quellen belegt, so kann der Nutzer bei weit­erem Forschungs­be­darf auf diese zugreifen. Her­vorzuheben ist, dass neben Quellen zur Insti­tu­tion­s­geschichte auch Doku­mente wie Lehrpläne oder Stu­dienord­nun­gen herange­zo­gen wur­den, sodass auch die dama­lige päd­a­gogis­che Arbeit anhand von Primärquellen erschlossen wird.
Angesichts dieser großen Forschungsleis­tung fällt es schw­er, Kri­tik zu üben. Den­noch wäre ein Per­so­n­en­reg­is­ter wün­schenswert gewe­sen. Der Leser würde hier­durch noch schneller zu den Wirkung­sorten der einzel­nen Kon­ser­va­to- rium­slehrer geleit­et wer­den – wie z. B. Carl Rei­necke, der am Köl­ner und am Leipziger Kon­ser­va­to­ri­um lehrte – und kön­nte somit Zusam­men­hänge herstellen.
Ungeachtet dessen han­delt es sich bei der vor­liegen­den Pub­lika­tion um eine markante Bere­icherung der Forschungslit­er­atur, welch­er hoher Respekt gebührt und die wichtige Impulse und Grund­la­gen für weit­erge­hende Stu­di­en liefert.
Bernd Wladika