Rolf Moser/Andreas Scheuermann/Florian Drücke

Handbuch der Musikwirtschaft

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: C. H. Beck, München
erschienen in: das Orchester 01/2019 , Seite 60

Die erste Auflage des Hand­buchs der Musik­wirtschaft erschien 1992, und die bish­er let­zte, die 6. Auflage, ist nun­mehr 15 Jahre alt. Wie in allen Bere­ichen des Lebens hat die Dig­i­tal­isierung für tief­greifende Verän­derun­gen gesorgt, die auch am Musik­markt keines­falls spur­los vorüberge­gan­gen sind. Musik wird als Daten­for­mat über­tra­gen und man braucht, um Musik zu hören, kaum mehr das, was mal „Ton­träger“ hieß (und in den 1990er Jahren für hohe Umsätze bei den Plat­ten­la­bels sorgte). Ist es noch der Plat­ten­ver­trag bei einem Major-Label, der Kün­stler im Pop-Bere­ich „groß rauskom­men“ lässt? Und wie ste­ht das klas­sis­che Ver­lags­geschäft zu den Her­aus­forderun­gen der Dig­i­tal­isierung? Wie laut­en die Fragestel­lun­gen an das Urhe­ber­recht angesichts der All­ge­gen­wart des Inter­nets? Und was macht das mit den Kün­stlern und den Dien­stleis­tern, die bei ihnen unter Ver­trag ste­hen?
Auf viele dieser Fra­gen gibt das Werk fak­ten­re­iche Antworten. Neu zum Her­aus­ge­berteam gehört Flo­ri­an Drücke, der Vor­sitzende des Ver­bands der Musik­wirtschaft. Das Team umfasst rund 80 Autoren, vie­le davon in ihren Bere­ichen aus­gewiesene Ken­ner der Materie. Gegliedert ist das Hand­buch wie ein juris­tis­ches Nach­schlagew­erk, also mit sehr vie­len Unter­ab­schnit­ten und zudem einem lan­gen Glos­sar, sodass man schnell fündig wird.
Ein Blick auf die Inhalt­süber­sicht, die für sich fast 50 Seit­en ein­nimmt, zeigt, wie umfassend die The­men sind: Zur Rubrik „Musik­markt“ gehören z.B. die all­ge­meinen Über­legun­gen zum „volk­swirtschaftlichen Stel­len­wert der Musikin­dus­trie“, die Musikin­dus­trie selb­st, die Ver­lage und Instru­menten­bauer, die „Clubs“ und das Musik­man­age­ment. Ein großer Abschnitt gilt den Ver­w­er­tungs­ge­sellschaften und den Musikver­bän­den. Knapp die Hälfte des Buchs machen die Rechts­fra­gen um den Musik­markt aus, wobei es um Pla­giate genau­so geht wie um das Kün­stler­sozialver­sicherungs­ge­setz und um die Grund­la­gen und Anwen­dun­gen von Verträ­gen. Das Hand­buch nen­nt viele inter­es­sante Zahlen zum Musik­markt, die die Bedeu­tung dieser Sparte im Wirtschaftssys­tem der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land gut illus­tri­eren (ein Beispiel: Der Gesam­tum­satz der so genan­nten Kreativwirtschaft liegt bei ca. 150 Mil­liar­den Euro).
Die Kapi­tel über die Rechts­fra­gen informieren auch über den neu­esten Stand der anhängi­gen Kla­gen und damit ver­bun­de­nen Debat­ten. Für Profis und Ein­steiger alle­mal prak­tisch sind auch die Ver­tragsmuster. Einige Artikel sind eher essay­is­tisch und erzäh­lerisch ger­at­en, was sich aber auf den Infor­ma­tion­s­ge­halt nicht neg­a­tiv auswirkt. Bei dem Kapi­tel über die Ver­bände wä­re grund­sät­zlich zu fra­gen, ob sie zur Musik­wirtschaft gehören oder nicht, und wenn ja, warum nicht allen Ver­bän­den Kapi­tel gewid­met sind.
Musikhochschulen, öffentliche The­ater und Orch­ester kom­men nur am Rande vor, was, wenn der Fokus auf der „Wirtschaft“ liegt, ver­ständlich ist. Und doch gehören sie zum von Dieter Gorny im Vor­wort so be­zeichneten „Öko-Sys­tem“ der Musik­wirtschaft. Das Nach­schlagew­erk jeden­falls gehört ins Regal bei allen, die im Musik­busi­ness tätig sind.
Ger­not Woj­narow­icz