Gustav Mahler

Symphonie No. 8 in E-flat major

Rubrik: DVDs
Verlag/Label: Accentus
erschienen in: das Orchester 01/2018 , Seite 75

Zu den her­aus­ra­gen­den Zeug­nis­sen der Mahler-Inter­pre­ta­tion im 21. Jahrhun­dert gehört der Sin­fonien­zyk­lus mit dem Lucerne Fes­ti­val Orches­tra unter Clau­dio Abba­do, der ab 2000 nach und nach ent­stand und vor allem auf DVD erschienen ist. Der Tod des Mae­stro im Jan­u­ar 2014 ver­hin­derte die Vol­len­dung der Rei­he, denn die achte Sin­fonie fehlte noch. Sie hätte im fol­gen­den Som­mer aufgeze­ich­net wer­den sollen. Die Nach­folge als Chefdiri­gent des Luzern­er Fest­spielorch­esters, das mit hochrangi­gen Solis­ten an den ersten Pul­ten und über­haupt erstk­las­si­gen Musik­ern beset­zt ist und zu den Toporch­estern der Welt gehört, hat mit­tler­weile Ric­car­do Chail­ly über­nom­men, zu Beginn sein­er Kar­riere Assis­tent von Abba­do an der Mailän­der Scala und dort jet­zt auch ein­er sein­er Nachfolger.Und Chail­ly set­zte bei seinem offiziellen Antrittskonz­ert am Vier­wald­stät­ter See eben die Achte Mahlers aufs Pro­gramm. Nun gibt es den Mitschnitt dieses Luzern­er Konz­erts vom August 2016 aus der dor­ti­gen Konz­erthalle. Es ist schon Chaillys dritte Auf­nahme von diesem mon­u­men­tal­en Stück. Der ital­ienis­che Diri­gent hat seine Inter­pre­ta­tion schon mit dem Con­cert­ge­bouw Orches­tra auf CD und mit dem Gewand­hau­sor­ch­ester Leipzig auf DVD vorgelegt.Die Regis­seurin Ute Feudel hat das Luzern­er Konz­ert in sehr stim­mi­gen und optisch span­nen­den Bildern einge­fan­gen. Sie zeigt natür­lich im Wech­sel alle Abteilun­gen der großen Beset­zung mit acht Solis­ten, zwei Chören, großem Orch­ester und Fer­norch­ester, aber im Focus ste­ht natür­lich Diri­gent Ric­car­do Chail­ly, der vor allem frontal am häu­fig­sten zu sehen ist.
So wird allein schon im Bild klar, wie klar und kon­se­quent seine Deu­tung der riesen­haften Par­ti­tur ist. Mit der ist er bestens ver­traut – und er nutzt diese Erfahrung mit Mahler für eine abso­lut pack­ende Wieder­gabe, die auch als Film ihre große Wirkung ent­fal­tet, auch wenn man natür­lich gerne beim Konz­ert dabei gewe­sen wäre.Schon vom ersten Takt an wohnt Ric­car­do Chaillys Wieder­gabe eine immense Span­nung und einen strin­gen­ten Zug inne. Die Zeit­maße sind stets sehr flüs­sig, der Klang far­ben­prächtig aufge­fächert. Doch als Gegengewicht zu der vib­ri­eren­den Energie der bewegten Teile schafft Chail­ly in den lyrischen Par­tien empfind­ungsre­iche Ruhep­unk­te. Und bei den Übergän­gen erweist er sich als großer Meis­ter in der aus­drucksvollen Mod­el­lierung for­maler Schnittstellen. Vor allem aber fasziniert die Sicher­heit und Sprachkraft dieser Ein­studierung, die getra­gen ist vom Willen, Mahlers Absicht­en uneingeschränkt zur lebendi­gen musikalis­chen Tat wer­den zu lassen. Die Liebe – um die geht es ja in erster Lin­ie in der Acht­en – zu dieser Musik ist über­all spür­bar.
Im Orch­ester gibt es jede Menge Glan­zleis­tun­gen – genan­nt sei stel­lvertre­tend Solotrompeter Rein­hold Friedrich – und der­gle­ichen bei den Solis­ten. Der auf­strebende Helden­tenor Andreas Schager zum Beispiel meis­tert seinen anspruchsvollen Part so prächtig wie wenige andere sein­er Kol­le­gen.
Karl Georg Berg