Ute Grundmann

Gotha-Eisenach: Die Erforschung der Quintessenz

Das 2. Sinfoniekonzert der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach mit Werken von Beethoven, Vieuxtemps und Schumann

Rubrik: Bericht
erschienen in: das Orchester 02/2022 , Seite 54

Das Schick­sal der Gen­ove­va in der ihr von Robert Schu­mann gewid­me­ten Oper währt gut zwei Stun­den, nor­maler­weise. Die Thürin­gen Phil­har­monie Gotha-Eise­nach war damit schneller durch, dank des Arrange­ments des Diri­gen­ten Charles Olivieri-Munroe. Und das sollte nicht die einzige Über­raschung dieses 2. Sin­foniekonz­erts mit dem Titel „Rein­heit und Vol­lkom­men­heit“ sein.
In Eise­nach und Gotha will man in dieser Spielzeit „Das Fün­fte Ele­ment“ (so das Mot­to) erforschen und zu Gehör brin­gen: die Quin­tes­senz, den geisti­gen Grund­stoff unseres Lebens, der ger­ade allzu oft durch ein Virus aus­ge­bremst wird. Und so begann der Abend im Lan­desthe­ater Eise­nach voller Kraft und Lebens­freude, mit Beethovens Fide­lio-Ouvertüre, op. 72. Zwis­chen zack­ig und elegisch wech­selte das Orch­ester zunächst hin und her, fand dann zu einem hell-dynamis­chen Klang, aus dem sich die präzisen Bläs­er wun­der­bar her­aushoben. Beson­ders schön klan­gen die tiefen Hörn­er zu hellen Stre­ich­ern, bald gemäch­lich, bald Blitze schleud­ernd. Charles Olivieri-Munroe, Erster Gast­diri­gent der Thürin­gen Phil­har­monie, leit­ete die Ouvertüre mit großen, fordern­den Gesten – und ließ die Musik­er dann ins Helle stürmen.
Unter den Titel „Rein­heit und Vol­lkom­men­heit“ soll­ten sich dann auch zwei Werke des bel­gis­chen Kom­pon­is­ten Hen­ry Vieux­temps (1820–1881) einord­nen – seine Ururenke­lin Agnes Briolle-Vieux­temps gestal­tete an diesem Abend die Konz­erte­in­führung. Der Solist bei­der Werke war der in Rus­s­land geborene Geiger Alexan­der Markov, heute in den USA lebend. Zu seinem auf­fäl­li­gen Out­fit – Jabot und Spitzen­stulpen unter blauschim­mern­dem Jack­ett – wollte sein rou­tiniertes Spiel nicht so recht passen. Vieux­temps’ Vari­a­tio­nen über die Romanze G‑Dur von Beethoven für Vio­line und Orch­ester begann Markov zwar in den höch­sten Tönen, doch das Orch­ester antwortete sehr viel emo­tionaler und engagiert­er auf seinen Solopart, set­zte Triller den Lin­ien der Geige ent­ge­gen. Wun­der­bar trug die Quer­flöte das Solo; aus einem unruhi­gen, aber präzisen Auf und Ab der Töne und Gefüh­le steuerten die Musik­er in ein ruhiges Fließen, dem das flink-rou­tinierte Solo entgegenstand.

 

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