Werke von Paul Juon, Fabian Müller, Ernest Bloch und Arthur Honegger

Georgisches Kammerorchester Ingolstadt

Kamilla Schatz (Violine), Pi-Chin Chien (Violoncello), Ltg. Ruben Gazarian

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Ars Produktion 38177
erschienen in: das Orchester 11/2015 , Seite 80

Als Mitte Jan­u­ar Ruben Gazar­i­an beim Geor­gis­chen Kam­merorch­ester Ingol­stadt (GKO) sein offizielles Antrittskonz­ert als neuer Chefdiri­gent leit­ete, war schon atmo­sphärisch ger­adezu greif­bar, dass eine neue, erfol­gver­sprechende Ära anbrach. Nach den recht destruk­tiv­en Wirren der jüng­sten Zeit war dies beim GKO zwin­gend notwendig. Auch pro­gram­ma­tisch war der Amt­santritt des gebür­ti­gen Arme­niers ein Pauken­schlag, denn: Es kamen nur Werke des 20. und 21. Jahrhun­derts zu Gehör, eben kein gewöhn­lich­es „Sand­wich-Pro­gramm“ mit Tra­di­tion und Ali­bi-Mod­erne.
Noch dazu hat sich Gazar­i­an, der zudem beim Würt­tem­ber­gis­chen Kam­merorch­ester in Heil­bronn die Kün­st­lerische Leitung ver­ant­wortet, für Werke entsch­ieden, die im Konzertleben all­ge­mein sträflich ver­nach­läs­sigt wer­den. „Swiss Made“ lautete das Mot­to des Abends, der jet­zt als Live-Mitschnitt auf CD erschienen ist. Kom­pon­is­ten mit Schweiz-Bezug sind ver­sam­melt, im Zen­trum ste­ht der 1964 geborene Schweiz­er Fabi­an Müller. Aus sein­er Fed­er stammt das post­mod­erne, dur­chaus tra­di­tion­s­ge­bun­dene Con­cer­to per Klee für Cel­lo und Stre­i­chorch­ester von 2007, das das GKO mit der Ehe­frau Müllers, der tai­wane­sis­chen Cel­listin Pi-Chin Chien, als Solistin real­isiert hat – eine Hom­mage eben an den Maler Paul Klee, der von den Nation­al­sozial­is­ten ins Schweiz­er Exil getrieben wurde.
Zugle­ich ist auf der CD der Arrangeur Müller vertreten. Von Ernest Bloch hat er das ostjüdisch gefärbte Baal Shem für Vio­line und Stre­i­chorch­ester bear­beit­et (Solistin: Kamil­la Schatz) sowie die Suite op. 89 von Paul Juon. Bei­de Werke hat Müller kun­stvoll orchestri­ert, was ger­ade die dif­feren­zierten Gestal­tun­gen verdeut­lichen. Indes ist es nicht zulet­zt die Sin­fonie Nr. 2 von Arthur Honeg­ger für Stre­i­chorch­ester und Trompete von 1941, die den Anbruch der neuen Ära beim GKO hör­bar macht. Wohltuend unei­t­el, sehr trans­par­ent und im besten Sinn empathisch führt Gazar­i­an das Orch­ester durch die tück­ische Par­ti­tur. Jed­er Klang wird genau seziert, um ein­nehmende Raum- und Farb­wirkun­gen zu kreieren. Es zeigt sich, dass das GKO keine namhaften Solis­ten benötigt, um zu glänzen.
Und die näch­sten CD-Veröf­fentlichun­gen sind schon in der Pipeline. Am 1. Novem­ber 2015 erscheint beim Label Ars das diesjährige fün­fte Abo-Konz­ert des GKO auf CD – ein nicht min­der ungewöhn­lich­es Pro­gramm mit den zwei Con­cer­ti für Klavier­trio und Stre­i­chorch­ester sowie der Par­ti­ta für Stre­i­chorch­ester von Bohuslav Mar­t­inu, das mit dem Sto­ri­oni Trio real­isiert wurde. Als dritte CD-Veröf­fentlichung ist 2015 beim Label Stan noch das Pro­gramm des Okto­ber-Abokonz­erts geplant. Neben der Car­men-Suite von Rodi­on Shchedrin ste­ht die Kam­mersin­fonie op. 110a von Dmitri Schostakow­itsch an – eine vom Kom­pon­is­ten autorisierte Bear­beitung des Stre­ichquar­tetts Nr. 8 durch Rudolf Bar­shai.
Mar­co Frei