Werke von Joseph Haydn, Friedrich Schneider und August Klughardt

Gefunden. Klaviertrios

TrioSono: Karl Heinrich Niebuhr (Violine), Matthias Wilde (Violoncello), Hiroko Kudo (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin GEN 16426
erschienen in: das Orchester 12/2016 , Seite 68

Als Musik­stadt ste­ht Dessau eher sel­ten im Fokus der über­re­gionalen Öffentlichkeit, etwa beim jährlich stat­tfind­en­den Kurt-Weill-Fest oder bei großen Pre­mieren des Anhaltischen The­aters. Neben Weill, der Dessau schon mit 18 Jahren ver­ließ, wirk­ten in der früheren Res­i­den­zs­tadt aber auch andere großar­tige Kom­pon­is­ten. Friedrich Schnei­der (1786–1853) beispiel­sweise leit­ete die wichtig­ste Musikschule in Mit­teldeutsch­land, bevor Mendelssohn ihm mit seinem Kon­ser­va­to­ri­um den Rang ablief. Als Hofkapellmeis­ter war er ein wahrer Worka­holic und uner­müdlich­er Motor des Dessauer Musik­lebens. Zuvor hat­te er in Leipzig Beethovens fün­ftes Klavierkonz­ert als Pianist uraufge­führt.
August Klughardt (1847–1902) der in Köthen geboren wurde, kehrte nach mehreren Sta­tio­nen ab 1882 als Hofkapellmeis­ter in seine anhaltische Heimat zurück und begrün­dete die große Dessauer Wag­n­er-Tra­di­tion. Sie wird bis heute fort­geschrieben und hat in den ver­gan­genen Jahren neue Strahlkraft gewon­nen.
Daneben war er ein her­vor­ra­gen­der Kom­pon­ist, der neben sin­fonis­chen Werken und Opern auch Kam­mer­musik schrieb. Berühmt ist sein Bläserquin­tett, es gibt eine Ein­spielung des Klavierquin­tetts op. 43 und des Stre­ichquar­tetts op. 42. Eine neue Auf­nahme des TrioSono präsen­tiert ihn nun auch als Meis­ter des Klavier­trios.
Das Trio B‑Dur op. 47 ist zum ersten Mal über­haupt auf CD ver­füg­bar. Es ent­stand in den Dessauer Jahren 1885/86 und strotzt vor Vital­ität und Ein­fall­sre­ich­tum, dabei auch Unbeschw­ertheit. Im Ton ist es Schu­mann nahe, doch weitab davon, Pla­giat zu sein. Der erste Satz gefällt durch den wirkungsvollen Gegen­satz von elegis­ch­er Melodik und zupack­ender Rhyth­mik, der zweite ist ein zum Weinen schön­er roman­tis­ch­er Schmacht­fet­zen, der dritte gewitzt kon­tra­punk­tisch durchgear­beit­et. Er begin­nt mit ein­er Fuge und endet im orches­tralen Klan­grausch.
Eben­falls zum ersten Mal einge­spielt wurde Friedrich Schnei­ders Trio Es-Dur von 1816. Es ist ein wenig „verkopfter“ und deut­lich an Beethoven angelehnt, sehr ordentlich durchgear­beit­et, vor allem rhyth­misch pointiert. Die repet­i­tive Melodik zieht sich durch das ganze Werk und gibt ihm große Ein­heitlichkeit.
In bei­den Stück­en sowie auch im ersten Werk der CD, dem Trio C‑Dur Hob. 27 (1797) von Joseph Haydn, agiert das TrioSono mit mit Hiroko Kudo (Klavier), Karl Hein­rich Niebuhr (Vio­line) und Matthias Wilde (Cel­lo) trans­par­ent, flex­i­bel und ein­fühlsam in wun­der­bar­er Abstim­mung. Wilde ist der Ein­satz für die anhaltischen Werke eine beson­dere Herzen­san­gele­gen­heit: Er war einige Jahre Solo­cel­list der Anhaltischen Phil­har­monie, Wag­n­er-Stipen­di­at und ist jet­zt Mit­glied der Staatskapelle Dres­den. Zudem hat er die Anhaltischen Kam­mer­musik­tage ins Leben gerufen. Wün­schen wir uns weit­ere Fund­stücke von ihm und seinem Ensem­ble.
Johannes Kil­lyen