Nicola Termöhlen

Fünf Tiertänze

für Fagott und Klavier (2012)

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Edition Dohr
erschienen in: das Orchester 01/2023 , Seite 67

Für die Duo-Beset­zung Fagott und Klavier ist die Lit­er­at­u­rauswahl in Unter- und Mit­tel­stufe bish­er noch sehr über­schaubar. Ger­ade für Vor­spiel und Konz­ert, doch auch für „Jugend musiziert“, braucht man aber immer Stücke, die Kinder und Jugendliche gerne spie­len und bei denen sie sich musikalisch und tech­nisch weit­er­en­twick­eln kön­nen. Nicht zulet­zt soll die Musik auch wirkungsvoll sein und das Pub­likum erfreuen.
Da kom­men die Fünf Tiertänze der Lüneb­urg­er Kom­pon­istin und Block­flötistin Nico­la Ter­möhlen wie gerufen. Sie sind für den Wet­tbe­werb „Jugend musiziert“ ent­standen (Kat­e­gorie „Duo für Klavier und ein Blasin­stru­ment“) und wur­den bere­its mehrfach im Wet­tbe­werb erfol­gre­ich gespielt.
Die Fünf Tiertänze sind kurze Minia­turen, kleine, sehr unter­schiedliche Charak­ter­stücke, die alle zusam­men nicht mehr als sechs bis sieben Minuten dauern. Auch wenn nir­gends Tem­poangaben oder Metronomzahlen ste­hen, find­et man von selb­st das richtige Tem­po. Denn die Stücke, eigentlich sind es „Lieder ohne Worte“, sind alle ganz ver­schieden in Aus­druck und Struktur.
Im ersten Stück schre­it­et der Löwe majestätisch, aber auch etwas melan­cholisch ein­her. Die Kur­zohrmaus – dieses Tier gibt es wirk­lich, auch in Deutsch­land! – tanzt fröh­lich, mit Tak­twech­seln, nach ein­er bosnis­chen Melodie. Der Ele­fant klingt zuerst exo­tisch, dann prächtig, mit schö­nen Akko­r­den im Klavier, am Schluss etwas müde. Der Maulwurf­swalz­er – das schwierig­ste Stück – erin­nert anfangs etwas an Chopin, begin­nt und endet melan­cholisch. Und die Hum­meln im Hum­mel­reigen sausen in der Klavier­stimme nur so dahin (3 gegen 4), je schneller, desto bess­er, bis sie ganz am Ende zur Ruhe kommen.
Die Musik ist tonal, meist in Moll, manch­mal auch modal, oft mit aparten har­monis­chen Wen­dun­gen. Rhyth­misch sind die Stücke nicht immer ganz ein­fach, vor allem für das Klavier. Die Fagottstimme ist ins­ge­samt leichter. Alle Stücke sind aber effek­tvoll, bestens geeignet für Unter­richt und Konz­ert, und für „Jugend musiziert“ etwa ab Alter­stufe II.
Die Fünf Tiertänze sind ein Arrange­ment der Fünf Tier­lieder (2011), die Nico­la Ter­möhlen für Kinder­chor geschrieben hat. Die Lied­texte dazu, die auch zu der Fagottver­sion passen, stam­men eben­falls von ihr. Schade, dass sie in den instru­men­tal­en Tiertänzen nicht mit abge­druckt sind, denn beim Ein­studieren kön­nten sie hil­fre­ich sein bei schwieri­gen Rhyth­men und beim musikalis­chen Ausdruck.
Die Fünf Tiertänze habe ich übri­gens kür­zlich mit ein­er Flötistin aus­pro­biert. Wir fan­den sie bei­de auch mit Flöte toll. Vielle­icht gibt es dem­nächst eine Fas­sung für weit­ere Blasin­stru­mente und Klavier? Das wäre schön.
Frauke Uerlichs