Diemer, Emma Lou

Four for Three

für Flöte, B-Klarinette und Fagott, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Certosa, Klein-Winternheim 2012
erschienen in: das Orchester 04/2015 , Seite 74

Schon als Kind wusste Emma Lou Diemer, 1927 in Kansas City in Mis­souri geboren und in ein­er über­aus musikalis­chen und musik­in­ter­essierten Fam­i­lie aufgewach­sen, dass sie unbe­d­ingt kom­ponieren wollte, ein Wun­sch, der sie sog­ar auf eine Fam­i­lien­grün­dung verzicht­en ließ. Die Arbeit als Kom­pon­istin, Inter­pretin und Päd­a­gogin wurde für sie dann zu ein­er wirk­lichen Beru­fung, der sie kraftvoll und kon­se­quent nachging, wie ihr umfan­gre­ich­es Werkverze­ich­nis beweist (siehe www.klassika.info). Vieles daraus wurde ver­legt und aufge­führt, und mit ihren bei­den Instru­menten Orgel und Klavier ist sie auch heute noch aktiv, als pro­movierte Pro­fes­sorin für Musik­the­o­rie und Kom­po­si­tion allerd­ings seit 1991 emer­i­tiert.
Flötis­ten ken­nen ver­mut­lich die Sonata for Flute and Piano (or Harp­si­chord) von 1958 und das Flute Con­cer­to von 1963, bei­de bei South­ern Music Com­pa­ny (SMC) ver­legt und Mark Thomas gewid­met, dem Grün­der der amerikanis­chen Nation­al Flute Asso­ci­a­tion. Anson­sten ist diese Emma Lou Diemer hierzu­lande immer noch erstaunlich unbekan­nt, wed­er beim Furore-Ver­lag noch im Archiv „Frau und Musik“ ist sie präsent. Erfreulicher­weise hat sich der Ver­lag Cer­tosa, der auss­chließlich die Musik von Kom­pon­istin­nen im Pro­gramm hat, seit einiger Zeit ihrer Musik angenom­men.
Die augen­fre­undlich groß gedruck­te Aus­gabe des Bläser­trios umfasst drei Stimmhefte und eine Par­ti­tur, die das Ein­studieren am Klavier ermöglicht. Nur was die Fein­justierung des Noten­satzes bet­rifft, hat man sich zu sehr auf die pro­gram­minter­nen Fähigkeit­en ver­lassen. Schade, aber vielle­icht noch zu ändern.
Die vier Stücke für drei Spiel­er waren zunächst als Blech­bläs­er-Trio konzip­iert, in ihrer jet­zi­gen Gestalt kom­men aber nach Mei­n­ung der Kom­pon­istin die beab­sichtigten instru­men­tal­en Wirkun­gen bess­er zur Gel­tung. Alle vier Sätze zeich­net ein durch­sichtiges Satz- und Klang­bild aus; die schnellen Eck­sätze überzeu­gen mit rhyth­mis­ch­er Verve; der zweite Satz nutzt als „Scher­zo“ einige mod­erne Spiel­tech­niken; die klaren melodis­chen Lin­ien des drit­ten verbinden sich ohne die son­st häu­fi­gen Tak­twech­sel
zu einem ruhig fließen­den Gesang. Für „Jugend musiziert“ und als Ergänzung des Reper­toires dieser Beset­zung – wie etwa die Trios von Devi­enne, Pleyel, Wal­ck­iers, Muczyn­s­ki oder Smirno­va, um nur einige Namen zu nen­nen – ist Diemers kurze und präg­nante Kom­po­si­tion sehr zu empfehlen.
Stilis­tisch möchte Emma Lou Diemer kein­er bes­timmten Rich­tung zuge­ord­net wer­den. Sie schreibt durchge­hend fre­iton­al, ihr zen­trales Inter­esse gilt der Explo­ration melodis­ch­er und rhyth­mis­ch­er Möglichkeit­en. For­male Struk­turen sind ihr wichtig und auch die Ori­en­tierung am Kon­tra­punkt. So besuchte sie z.B. während ihrer Stu­dien­zeit Hin­demiths Kon­tra­punkt-Kurs in Yale. Großen Wert legt sie darauf, für Profis und Laien gat­tungsüber­greifend gle­ich gut zu schreiben, also Musik jed­er Schwierigkeit qual­i­ta­tiv und inhaltlich anspruchsvoll und gehaltvoll zu gestal­ten. Vor allem aber geht es ihr darum, dass ihre Musik gehört wird, und zwar mit Ver­ständ­nis und Vergnü­gen zu gle­ichen Teilen – eine so per­sön­liche wie überzeu­gende Def­i­n­i­tion von „Gebrauchsmusik“!
Ursu­la Pešek