Werke von Cécile Chaminade, Hans Pfitzner, Johann Sebas­tian Bach und anderen

Flöte & Orgel – horizontal & vertikal Vol. II

Ulf-Dieter Schaaff (Flöte), Frank Volke (Orgel)

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Motette
erschienen in: das Orchester 7-8/2022 , Seite 70

In einer Epoche wie der heutigen, wo man gewohnt ist, dass Aufnahmen und Konzertprogramme am besten wohlerforscht monografisch, respektive sorgfältigst einem wie auch immer gearteten roten Faden folgend, wenigstens aber in jedem Fall doch eine (musikhistorische) Geschichte erzählend angelegt sind, wirkt diese CD ein wenig aus der Zeit gefallen: Von Bach bis Pfitzner, von Mozart bis Kropfreiter scheinen die beiden Musiker hier schlicht ihre Lieblingsstücke bunt gemischt auf Kunststoff gebrannt zu haben.
Ein solches Vorgehen kann freilich ein Vorteil sein, bietet die CD so doch reichlich Abwechslung im Stilistischen, und man mag es immerhin als eine Art roten Faden verstehen, dass es sich bei den meisten Werken um Bearbeitungen diverser Instrumental- und auch Vokalstücke für Flöte und Orgel handelt. Das allerdings – und da sind wir schon bei den Nachteilen – erfährt der geneigte Hörer erst, wenn er das Booklet studiert hat, denn in der Trackliste steht davon nichts. Und das wirkt ein bisschen lieblos.
Uneingeschränkt schön sind Spiel und Klang des Flötisten. Rund und warm, dabei doch schlank und beweglich, ohne jede Schärfe, mit angenehm dezentem Vibrato, weiß Ulf-Dieter Schaaff sein Instrument zu führen, technisch souverän und gut intoniert. Allerdings spielt er eben auch immer gleich schön. Ob 18., 19. oder 20. Jahrhundert: Weder klanglich noch stilistisch geht Schaaff auf die Entstehungszeit der Musik ein, ebensowenig wie Frank Volke an der Orgel. Es ist, als habe die historische Aufführungspraxis nie existiert, als seien all die diesbezüglichen Bemühungen von Wissen­schaft und Ausführenden während der letzten 70 Jahre an den beiden Interpreten vorbeigegangen. Da fragt man sich dann doch, was eigentlich der tiefere Sinn einer solchen Aufnahme sein soll – denn das Bemühen, interessantes Repertoire möglichst perfekt darzustellen, ist es ja nun nicht? Möchten sie also Easy-Listening-Fahrstuhlmusik bieten, nett im Hintergrund zu hören, weil nichts stört? Oder ist es tatsächlich eine Überzeugungstat, nach dem Motto: Schönklang geht immer (noch)?
Lässt diese Frage sich bei größter Not vielleicht noch als Problem der jüngeren, schon mit einer wissenschaftlicheren Herangehensweise an das Repertoire aufgewachesenen Hörer:innen-Generation abtun, muss als entschiedenes Manko der CD noch ein (aufnahme-?) technischer Punkt genannt werden: Da die Flöte direkter anspricht als die Orgel – gerade die Pedalregister –, hängt die Bass-/Continuo-Stimme fast ständig ein bisschen nach. Was vermutlich nichts damit zu tun hat, dass der Organist per se schleppt; nur sind Flöte und Bass eben im Klangergebnis nicht perfekt zusammen. Das fällt in der romantischen Musik mit ihrer agogischen Dynamik naturgemäß weniger ins Gewicht, doch im Barock stört es schon sehr.
Kurz gesagt ist diese Aufnahme also eher zur Entspannung in der Badewanne als zum wachen Zuhören und Bewerten geeignet. Aber gut, auch das muss ja kein Nachteil sein…
Andrea Braun