Robert Schumann / Mikhail Ivanovich Glinka

Fantasiestücke op. 73/Drei Romanzen op. 94/Märchenerzählungen op. 132 / Trio pathétique in d minor

Giovanni Punzi (Klarinette), Jákup Lützen (Viola), Toke Møldrup (Violoncello), Galya Kolarova (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Brilliant Classics
erschienen in: das Orchester 03/2020 , Seite 71

Nach CDs mit Werken von Wolf­gang Amadé Mozart, Johannes Brahms und damit der Auseinan­der­set­zung mit groß­for­malen Werken wid­met sich der junge ital­ienis­che Klar­inet­tist Gio­van­ni Pun­zi jet­zt mit roman­tis­ch­er Kam­mer­musik von Robert Schu­mann und dessen rus­sis­chem Zeitgenossen Mikhail Glin­ka (1804–1857) kle­in­for­matigeren Werken. Pun­zis musikalis­che Part­ner sind Stre­icherkol­le­gen aus dem Kopen­hagen­er Phil­har­monis­chen Orch­ester und die aus Bul­gar­ien stam­mende Pianistin Galya Kolaro­va.
In den beliebten klavier­be­gleit­eten Fan­tasi­estück­en op. 73 von Robert Schu­mann zeigt sich sogle­ich Pun­zis Affinität zur roman­tis­chen Musik. Er erzeugt in den drei Sätzen mit weich fließen­der Tonge­bung, fein dif­feren­ziert­er Dynamik und ein­er sehr sub­tilen Agogik vielfältige poet­is­che Stim­mungsnu­an­cen. Er nimmt sich Zeit für das Aus­mu­sizieren jed­er Phrase und die Übergänge zu neuen Formteilen. Im drit­ten Stück bleibt er allerd­ings dem Tem­po-Zusatz „mit Feuer“ einiges schuldig.
Nicht weniger empfind­sam erklin­gen die Drei Romanzen op. 94, deren melodis­ch­er Duk­tus erken­nen lässt, dass sie ursprünglich nicht für die Klar­inette, son­dern für die Oboe geschrieben wur­den. In bei­den Kom­po­si­tio­nen wird der Gesamtein­druck dadurch getrübt, dass der Klavier­part kaum als kam­mer­musikalis­ch­er Part­ner zur Ent­fal­tung kommt, da die Auf­nah­me­tech­nik die Klar­inette sehr stark in den Vorder­grund stellt.
In den in Schu­manns später Schaf­fen­sphase 1853 geschriebe­nen vier Sätzen der Märch­en­erzäh­lun­gen op. 132 tritt die Vio­la hinzu, die sich in der gle­ichen Klanglage wie die Klar­inette bewegt. Jákup Lützen spielt mit hellem und markan­tem Ton, der sich gut abhebt, aber gegenüber der Klar­inette etwas weniger Ausstrahlung besitzt. Die Inter­pre­ta­tion überzeugt vor allem in den lyrischen Abschnit­ten, während die zur Dra­matik neigen­den Par­tien durch den weniger kon­turi­erten Klavier­part an Wirkung ein­büßen. Stel­len­weise fehlt auch die klan­gliche Trans­parenz.
Das in vier Sätzen durchkom­ponierte Trio pathé­tique für Klar­inette, Vio­lon­cel­lo und Klavier von Mikhail Glin­ka ist 1832 während seines Ital­ien-Aufen­thalts ent­standen. Es ist ein eingängiges, for­mal mit Motivverknüp­fun­gen arbei­t­en­des melodiebe­tontes Werk, das aber seinen Titelzusatz nicht allzu offen­sichtlich und durchgängig zum Inhalt der Musik wer­den lässt. Mit Toke Møl­drup am Vio­lon­cel­lo als anpas­sungs­fähigem Tri­opart­ner ist eher eine spiel­freudi­ge, im Aus­druck in den Eck­sätzen etwas ver­hal­tene Wieder­gabe zu hören, während im Largo eine inten­si­vere Gestal­tungskraft zu spüren ist. Gio­van­ni Pun­zis Musikalität set­zt auch in den Trios die gestal­ter­ischen Akzente und überdeckt einige Schwächen der Auf­nahme.
Das nur englis­chsprachige Book­let enthält die nöti­gen Werk­in­for­ma­tio­nen und zum Teil über­lange Kün­stler­bi­ografien.
Herib­ert Haase