Kern, Markus

Fantasia Ebraica

für drei Klarnietten, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Accolade, Warngau 2014
erschienen in: das Orchester 09/2015 , Seite 76

Markus Kern legt hier gelun­gene Spiel­musik fu¨r drei Klar­inet­ten vor. Geschrieben hat er die Fan­ta­sia Ebraica fu¨r junge Schu¨ler (damals elf und zwölf Jahre alt), die damit einen zweit­en Preis sowie den Förder­preis der Sparkassen beim Wet­tbe­werb „Jugend musiziert“ 2013 erre­icht­en. Selb­stver­ständlich darf man davon aus­ge­hen, dass die drei Jun­gen ihre Schwarzwurzeln sehr gut spiel­ten.
Das ca. achtminu¨tige Werk beste­ht aus drei Teilen und soll auf Wun­sch des Kom­pon­is­ten immer kom­plett gespielt wer­den. Inspiri­ert vom Klezmer hat Kern hier viel Melodiös­es, fast volk­slied­haft Ein­fach­es ver­wen­det und damit Musik geschaf­fen, die dem Ohr schme­ichelt. Die dritte Klar­inette begin­nt in tiefer Lage qua­si impro­visan­do mit ein­er zarten Kan­ti­lene, die von der zweit­en fortgefu¨hrt wird. Dann fol­gt die erste Klar­inette, um einige Sechzehn­tel libero als kleine Kadenz anzuschließen. Kurz darauf begin­nt ein Alle­gret­to, das von den san­ft pulsieren­den Achteln in der zweit­en und drit­ten Klar­inette belebt wird, während die erste eine kleine Melodie in Moll daru¨ber legt und mit weni­gen Glis­san­di verzuck­ert. Doch du¨rfen bald schon auch die bei­den anderen kurze Soli spie­len, ehe sie zu dritt, immer mal wieder auf Wun­sch des Kom­pon­is­ten das Tem­po leicht anziehend, mit gemein­samen Achteln diesen ersten Teil been­den.
Attac­ca fol­gt ein Ada­gio, das allen drei Klar­inet­ten Möglichkeit­en gibt, mit sauberen Bindun­gen und gekon­nter Atemfu¨hrung zu glänzen. Es ist durch­hör­bar geset­zt, ein paar Vier­tel dann und wann sor­gen fu¨r den Fluss. Auch hier helfen deut­lich geset­zte Spielan­weisun­gen, die geforderte Dynamik zu tre­f­fen, kein Solo zu u¨bersehen und molto espres­si­vo diesen Teil mit Wohlk­lang zu been­den.
Es geht eben­falls attac­ca in den let­zten Teil, ein tänz­erisches Alle­gro. Die dritte Klar­inette begin­nt mit der Melodie zu kurzen Achteln in den anderen Stim­men. Durch das Stac­ca­to klingt es wieder ein­mal fröh­lich und leicht, die zweite Klar­inette bringt mit fließen­den Sechzehn­teln zusät­zlich Bewe­gung in die Musik.
Alles in dieser Fan­ta­sia ist so kom­poniert, dass es exakt u¨bereinander liegt. Richtig zählen mu¨ssen die Musik­er da schon, und allein deshalb ist diese kleine, feine Kom­po­si­tion nicht fu¨r jeden jun­gen Klarinettenschu¨ler geeignet. Als Schu¨lerliteratur ist sie tech­nisch dur­chaus ernst zu nehmen und ver­langt saubere Into­na­tion und Dynamik. Aber die Schön­heit und Logik dieser Musik entschädigt fu¨r die eine oder andere Übeein­heit mit dem Metronom. Fort­geschrit­tene Schu¨ler oder Stu­den­ten wer­den tech­nisch allerd­ings nicht gefordert, son­dern find­en hier ein schönes Stu¨ck
fu¨r Klar­inet­ten­trio, das sich­er so manch­es Pro­gramm bere­ich­ern mag. Doch auch ges­tandene Profimusik­er wer­den ihre Freude an diesem kleinen Werk haben.
Das Ende wird mit ful­mi­nan­ten, aber gut liegen­den, Läufen ein­geleit­et. Effek­tvolle Glis­san­di und drei Tut­ti­akko­rde gibt es zum guten Schluss — Markus Kern weiß, was Klar­inet­ten zum Klin­gen bringt.
Heike Eick­hoff