Werke von Gabrieli, Bach, Wagner, Verdi, Piazzolla und Srnka

Fan Faire

Munich Opera Horns. Die Hornisten des Bayerischen Staatsorchesters spielen Musik für Hornensemble

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Farao Classics B 108072
erschienen in: das Orchester 03/2014 , Seite 83

Orch­ester­musik­er, die auch außer­halb des reg­ulären Dien­stes gemein­sam musizieren, sind für Ensem­ble und Diri­gent meist ein Glücks­fall, denn die kam­mer­musikalis­che Zusam­me­nar­beit ist zweifel­los auch im großen Ver­bund frucht­brin­gend. Eine weit­ere Qual­itätsstufe ist erre­icht, wenn sich gle­ich eine ganze Stim­m­gruppe regelmäßig aus Spaß an der Freude zusam­menset­zt. Man darf annehmen, dass das auch für die Munich Opera Horns gilt, die Hor­nistin­nen und Hor­nisten des Bay­erischen Staat­sor­ch­esters in München.
Nach Grün­dung der „Opern­hörn­er“ im Jahr 2007 haben die sieben Her­ren und zwei Damen aus aller Welt nun ihre erste CD vorgelegt. Darauf ist mit Bear­beitun­gen von Wag­n­er und Ver­di natür­lich auch Opern­musik zu hören, im Mit­telpunkt ste­hen aber erstaunlicher­weise Werke von Johann Sebas­t­ian Bach (der nie eine Oper kom­poniert hat). Außer­dem sind Stücke von Piaz­zol­la und Gabrieli zu hören sowie eine 2011 uraufge­führte Orig­i­nalkom­po­si­tion von Miroslav Srn­ka. Der schreibt im Book­let: „Das Hor­nensem­ble ist unter den Blech­bläsern einzi­gar­tig in seinen Reg­is­ter­möglichkeit­en, dynamis­chen Extremen, einem fast stre­icher­ar­ti­gen Schmelzk­lang und ein­er beweglichen Vir­tu­osität.“
Auch wenn Srn­ka damit zweifel­los Recht hat, so bleiben Hörn­er – und seien es die ganz her­vor­ra­gen­den vom Bay­erischen Staat­sor­ch­ester – immer noch Hörn­er. Das hat auf die Inter­pre­ta­tion und Klanggestalt der hier aufgenom­men Werke ganz unter­schiedliche Auswirkung: Die her­rliche Lohen­grin-Fan­tasie von Karl Stiegler klingt beispiel­sweise nicht sel­ten wie echter Wag­n­er, weil auch im Orig­i­nal zahlre­iche Stellen von den Hörn­ern oder zumin­d­est dem Blech­bläser­satz über­nom­men wer­den. Die Adap­tion funk­tion­iert also gut – nur dann nicht ohne Ein­schränkung, wenn Arpeg­gien der Stre­ich­er oder Holzbläs­er zu imi­tieren sind. Ähn­lich­es gilt für den Tri­umph­marsch und die Bal­lettmusik aus Verdis Aida, deren Bear­beitung die hohen Hor­nisten in aben­teuer­liche Reg­is­ter treibt. Dem Tri­umph­marsch hört man erstaunlicher­weise kaum an, dass hier Hörn­er statt Trompe­ten spie­len. Das Stück Obliv­ion von Astor Piaz­zol­la klingt in der Fas­sung für Hörn­er schön – ist aber etwas völ­lig anderes als die Ur­sprungskom­posi­tion.
Wieder anders sind die Voraus­set­zun­gen bei Bach und Gabrieli, wo im Orig­i­nal der Klang nicht immer präzise fest­gelegt ist und daher auch bei Bear­beitun­gen ganz unter­schiedliche Ausle­gun­gen statthaft sind. Trotz­dem gibt es auch hier Kri­te­rien für Qual­ität, wobei die spiel­tech­nis­chen Fähigkeit­en der Münch­n­er Hor­nisten ganz außer Frage ste­hen. Doch bei Gabrielis Can­zon per sonar sep­ti­mi toni ver­misst man ein­fach die gewohnte Trans­parenz und Leichtigkeit. Der Horn­klang wirkt hier sehr dicht und fast mul­mig. Bess­er gelin­gen drei Adap­tio­nen von Bach-Kan­tat­en, beson­ders span­nend ist Nun komm, der Hei­den Hei­land. Beina­he ein Uni­ver­sum für sich ist das sieben­minütige Titel­stück Fan Faire von Miroslav Srn­ka. Es lotet alle Klang­möglichkeit­en des Wald­horns aus und dis­tanziert sich wohltuend von der gängi­gen Horn­ro­man­tik.
Johannes Killyen