Karl-Heinz Köper

Fakturen

für Fagott-Quartett und Orchester, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Dohr
erschienen in: das Orchester 10/2020 , Seite 68

Im Heft wurde irrtüm­lich der Preis dieser Aus­gabe mit 9,80 Euro angegeben. Der richtige Preis wäre: 49,80 Euro. Wir bit­ten dies zu entschuldigen.

Das kenne ich, das ist doch… Ist es dann aber doch nicht ganz. So geht es dem Zuhör­er bei Karl-Heinz Köpers Werken immer wieder. Er bedi­ent sich gerne bei den High­lights der Musikgeschichte, ver­wan­delt die The­men und entwick­elt daraus etwas Neues. In den 1960er bis 1990er Jahren war er in der GEMA ein­er der meist­ge­spiel­ten Urhe­ber seines Gen­res, verortet in der gehobe­nen Unter­hal­tungsmusik. Mit Vor­liebe bedachte er Instru­mente, die ger­ade nicht mit reichem Konz­ertreper­toire geseg­net sind – man meint nachger­ade, es gibt keine Beset­zung und kein Instru­ment, wofür er nicht kom­poniert hat. Er schrieb für Sin­fonieorch­ester, Bla­sor­ch­ester, Zup­forch­ester, darunter viele Instru­mentalkonz­erte, und Kam­mer­musik in kon­ven­tionellen und aus­ge­fal­l­enen Beset­zun­gen.
Karl-Heinz Köper (1927–2011) lernte als Kind Klavier. Als Sol­dat geri­et er in rus­sis­che Kriegs­ge­fan­gen­schaft. Als er später wieder geregel­ten Unter­richt bekam, begann er zu arrang­ieren und zu kom­ponieren. In Han­nover studierte er Kom­po­si­tion, startete seine Beruf­s­lauf­bahn als Kapellmeis­ter und zog sich 1960 davon zurück, um als freis­chaf­fend­er Kom­pon­ist zu arbeit­en. Seine Werke veröf­fentlichte er im Selb­stver­lag. 2012, nach dem Tod des Kom­pon­is­ten, wurde sein Ver­lag vom Ver­lag Dohr in Köln über­nom­men, wo nach und nach alle Werke Köpers in rev­i­diert­er Neuaus­gabe her­aus­bracht wer­den.
Das vor­liegende Werk, die “Fak­turen”, ein dreisätziges Konz­ert für Fagot­tquar­tett (3 Fagotte und Kont- rafagott) und Orch­ester begin­nt wie Tschaikowkys 6. Sin­fonie mit einem Fagottso­lo auf dun­klem Ste­icher­grund. Das The­ma ist ganz ähn­lich, hier darf es aber das Kon­trafagott übernehmen. Nach und nach gesellen sich die drei anderen Fagotte dazu, das The­ma nimmt Tem­po und die Musik Fahrt auf, Pizzi­ca­to-Begleitun­gen ver­lei­hen dem Satz Leichtigkeit, markante Ein­würfe von Schlag­w­erk und Pauke Energie.
Im zweit­en Satz wan­dern Ruba­to-Girlan­den von den Fagot­ten zu den Bläsern und weit­er in die Stre­ich­er, zart kom­men­tiert von Harfe und Celes­ta. Im drit­ten Satz blitzen schnelle Läufe durch ein Off­beat-The­ma. Es wird getra­gen von gle­ich­mäßi­gen gezupften Stre­ichervierteln, am Laufen gehal­ten von der kleinen Trom­mel und mün­det in einen mech­a­nis­chen schnellen Rhyth­mus. Nach Innehal­ten bei einem lyrischen Kon­trafagottso­lo endet das Stück schließlich kraftvoll mit dem ganzen Orch­ester. Der Applaus ist sich­er.
Der Part der vier Solofagotte ist anspruchsvoll und bei solid­er tech­nis­ch­er Grund­lage gut spiel­bar. Im Orch­ester wer­den die jew­eili­gen Instru­menten­grup­pen homogen und rhyth­misch unkom­pliziert par­al­lel geführt. Mit erfahre­nen Stimm­führern und ersten Bläsern eignet sich das Werk auch für gute Laienensem­bles, sofern die große Sin­fonieorch­esterbe­set­zung inklu­sive Schlag­w­erk, Celes­ta und Harfe zur Ver­fü­gung ste­ht.
Mit ein­er Dauer von 16 Minuten passt es in ein klas­sis­ches Konz­ert­pro­gramm. Ein effek­tvolles Konz­ert von musikan­tis­ch­er Natür­lichkeit, dessen Ent­deck­ung zu wün­schen ist.

Annette Winker