Giuseppe Verdi

Ernani

Czech Philharmonic Brno, Cappella Aquilea, Ltg. Marcus Bosch

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Coviello Classics
erschienen in: das Orchester 06/2020 , Seite 69

Ernani erblick­te 1842 im Teatro La Fenice in Venedig das Licht der Welt, zwei Jahre nach Nabuc­co und fünf vor Mac­beth. Hugos Dra­ma Her­nani oder die kastilis­che Eh re von 1830 war für die Zeitgenossen Inbe­griff des aktuellen The­aters. Das Hand­lung ist um 1500 ange­siedelt, Spielorte sind Schlöss­er und Räu­berver­stecke in Spanien, die Kryp­ta des Doms zu Aachen, dazu Masken­bälle. Der Plot: Drei Män­ner wollen eine Frau, Elvi­ra, für sich, näm­lich Ernani, der in Ung­nade gefal­l­ene Adelige, sodann der Her­zog Sil­va und schließlich Car­lo, der König von Spanien. Sil­va ist mit Ernani unter den Ver­schwör­ern, die Car­lo umbrin­gen wollen, als der in Aachen zum Kaiser gewählt wird. Car­lo, nun Kaiser, beg­nadigt auf Bit­ten Elvi­ras bei­de und set­zt Ernani wieder in den Adels­stand ein. Bei der Hochzeit von Ernani und Elvi­ra ertönt ein Horn­ruf. Die Rache des Sil­va: Ernani hat­te einst Sil­va als Pfand für sein Leben sein Jagdhorn über­lassen. Wenn er diesen Horn­ruf hört, muss er sich töten…
In sein­er Per­so­n­en­charak­ter­is­tik und sein­er Melodik ste­ht das Werk dem späteren Ver­di wenig nach, vor allem besticht es durch seine drama­tis­che Verve. Verdis Ernani gehörte im 19. Jahrhun­dert zum Reper­toire, vor allem in Ital­ien, auch weil man die Fig­uren und die Hand­lung zur ital­ienis­chen Ein­heits­be­we­gung in Verbindung set­zen kon­nte. Heute wird Ernani eher sel­ten gespielt: Die Pro­duk­tion der Opern­fest­spiele Hei­den­heim von 2019, deren kün­st­lerisch­er Leit­er seit 2011 Mar­cus Bosch ist, war 2019 eine der weni­gen Insze­nierun­gen in Europa. Die vor­liegen­den CDs basieren auf Mitschnit­ten vom 14. bis 19. Juli 2019 der Auf­führun­gen in Hei­den­heim in Koop­er­a­tion mit Deutsch­landra­dio Kul­tur. Offen­bar beste­ht die CD aus Live-Mitschnit­ten. Das Book­let enthält den Orig­inal­text zusät­zlich in deutsch­er und ital­ienis­ch­er Über­set­zung und – neben den Biografien der Mitwirk­enden – eine lesenswerte Ein­führung von Uwe Schweik­ert. Der Tschechis­che Phil­har­monis­che Chor Brno hat eini­gen Ruhm, wie auch auf diesen CDs zu hören ist, wenn man von den gele­gentlich her­ausstechen­den Einzel­stim­men absieht. Das Quar­tett der Pro­tag­o­nis­ten mit Sung Kyu Park (Ernani) Mar­i­an Pop (Car­lo), Pavel Kudi­nov (Sil­va) und Leah Gor­don (Elvi­ra) macht seine Sache gut, vor allem, wenn man bedenkt, wie schwierig es heute gewor­den ist, diese Art des Bel­can­to adäquat zu beset­zen. Tech­nisch ist die Auf­nahme klar, vielle­icht etwas zu holzbläserund höhen­be­tont. Außer­dem hört man immer wieder einzelne Instru­mente zu deut­lich und sind die Sänger zu direkt. Mar­cus Bosch gelingt mit der Cap­pel­la Aquileia, die 2011 für die Opern­fest­spiele in Hei­den­heim gegrün­det wurde, eine drama­tisch pack­ende Ver­sion des Stücks. Unter den vie­len Auf­nah­men, die es von Ernani gibt, ist diese keine mit Sängern und einem Orch­ester der Luxu­sklasse, aber sie bietet einen Ein­stieg in einen zupack­enden Ver­di.
Ger­not Woj­narow­icz