Werke von Gerardo Gardelín, Willi März, Yojiro Minami und anderen

El Inmortal

Works for tuba, piano and harp. Siegfried Jung (Tuba), Yasuko Kagen (Klavier), Johanna Jung (Harfe)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Coviello Classics
erschienen in: das Orchester 03/2020 , Seite 73

Kein Reper­toire, nir­gends. Diese Behaup­tung stimmte vielle­icht früher ein­mal für die klang­mächtige Tuba, dieses bass­ge­waltige und latent unter­schätzte Orch­ester- und auch Soloin­stru­ment. Längst haben find­i­ge und gute Tubis­ten nicht nur Werke für sich arrang­iert oder arrang­ieren lassen (denn das ist ja manch­mal ein wenig bil­liger), son­dern auch Kom­pon­is­ten gefun­den, die ihnen anspruchsvolle Musik auf den Leib schreiben.
Siegfried Jung, Solo­tubist des Nation­althe­aters Mannheim, hat eine CD mit solchen Werken nun gemein­sam mit sein­er Frau, der Har­fenistin Johan­na Jung, und der Pianistin Yasuko Kagen veröf­fentlicht. Jung stammt aus Temeschwar im rumänis­chen Banat und konz­ertiert immer wieder auch in Rumänien, freilich nicht nur dort. Johan­na Jung, gebür­tige Ingol­städ­terin, war Solo­har­fenistin des Phil­har­monis­chen Orch­esters Lübeck und ist kam­mer­musikalisch außer­dem mit einem Har­fen­quar­tett unter­wegs. Yasuko Kagen, geboren in Osa­ka, ist eine erfahrene Kor­repeti­torin und war in dieser Funk­tion auch für die Bläserk­lassen der Musikhochschule Mannheim zuständig. Eben­so ist sie als freis­chaf­fende Musik­erin und Musikpäd­a­gogin tätig.
Auf­fal­l­end ist bei dieser Auf­nahme, dass im Vorder­grund tänz­erisch-folk­loris­tis­che Aspek­te ste­hen, mit lateinamerikanis­chen Rhyth­men geschärft und sehn­suchtsvoll aufge­laden. Dies trifft z. B. zu auf eine Tuba-Tan­go-Fan­tasie von Ger­ar­do Gardelín oder, iro­nisch grotesk gebrochen, auf einen Ländler von Willi März, der wahrschein­lich zu den weni­gen zeit­genös­sis­chen Kom­pon­is­ten gehört, die deutsche Folk­lore authen­tisch und doch anspruchsvoll in ihre Werke ein­weben. März’ Danse agile ist eine wun­der­bare Konz­ert­fan­tasie für Tuba und Klavier. Alle Stücke der CD nutzen den gesamten Klan­graum des großen Blech­blasin­stru­ments aus.
Kaum eines der Stücke, und das ist das Schöne, hat man je gehört. Doch alle gehen gut ins Ohr, ohne sich anzu­biedern, zum Beispiel das Joc de doi, ein „Spiel zu zweit“ des aus Rumänien stam­menden Kom­pon­is­ten Sabin Pautza, den die Herkun­ft mit dem gebür­ti­gen Banater Siegfried Jung verbindet.
My Bon­ny Lad von John Frith, basierend auf schot­tisch-englis­ch­er Folk­lore, hat vielle­icht manch­mal seine Län­gen. Dafür kommt hier ein Tuba-Dämpfer zum Ein­satz. Eine Fan­tasie von Michael Schnei­der, but­ter­we­ich und mit Dix­ie-Ele­menten verse­hen, verbindet amerikanis­che Ele­mente (I come from Alaba­ma) mit ele­gan­ter Salon­ro­man­tik.
Das Zusam­men­spiel mit der Pianistin Yasuko Kagen gelingt per­fekt, das Zusam­men­wirken des Ehep­aars Jung sowieso. In hohem Maß beein­druck­end ist das Spiel von Siegfried Jung, der vir­tu­os zwis­chen allen Lagen hin und her springt, ohne je in die Schw­er­fäl­ligkeit zu ver­fall­en, die man der Tuba manch­mal zuschreibt. Ger­ade in der Höhe ist der Klang voll und volu­minös wie bei einem Wald­horn. Musikalisch und klug macht Jung sich den Charak­ter aller Werke zu eigen. Eine echte Wer­bung für die Tuba.
Johannes Kil­lyen