Werke von Vivaldi, Hasse, Platti und Gajarek

Echoes of the Grand Canal. Music from Tiepolo’s Venice

Diana Haller (Mezzosopran), Philippe Grisvard (Cembalo), Ensemble Diderot, Johannes Pramsohler (Violine und Ltg.)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Audax Records
erschienen in: das Orchester 04/2020 , Seite 70

Bis Anfang Feb­ru­ar zeigte die Staats­ga­lerie in Stuttgart ihre große Ausstel­lung zu dem ital­ienis­chen Barock­maler Gio­van­ni Bat­tista Tiepo­lo. Dessen größtes Werk ist ja bekan­nter­maßen nicht in Ital­ien, son­dern nördlich der Alpen zu find­en mit dem wahrlich einzi­gar­ti­gen Deck­engemälde im Trep­pen­haus der Würzburg­er Res­i­denz, die längst zum Unesco-Weltkul­turerbe gehört. Qua­si im Begleit­pro­gramm zu der Ausstel­lung ist das Pro­gramm zu dieser CD ent­standen, das im Audio­gu­ide zur Ausstel­lung einge­set­zt und natür­lich auch live in der Staats­ga­lerie musiziert wurde.
Das in Paris behei­matete Ensem­ble Diderot unter Leitung des öster­re­ichis­chen Geigers Johannes Pram­sohler ist schon vielfach mit Aus­grabun­gen oder Wieder­ent­deck­un­gen barock­er Musik her­vor­ge­treten. Auch hier gibt es eine ganze Rei­he von Erstauf­nah­men wie beispiel­sweise ein Cem­balokonz­ert von Gio­van­ni Benedet­to Plat­ti, von dem auch eine Sonate für Vio­line, Cel­lo und Gen­er­al­bass aufgenom­men wurde. Plat­ti wuchs in Venedig auf und wirk­te ab 1722 in Würzburg, wo er gewiss auch Tiepo­lo getrof­fen hat. Philippe Gris­vard ist der exzel­lente und vir­tu­ose Solist in dem F-Dur-Konz­ert.
Der Kom­pon­ist Sigis­mund Mar­tin Gajarek war am Hof von Bayreuth tätig, reiste aber auch nach Venedig, wo seine expres­sive Kan­tate Armi­da dis­per­a­ta ent­stand. Diese ist ein ein­drucksvolles Beispiel für die Beschäf­ti­gung mit dem Stoff aus Tas­sos Befre­it­em Jerusalem, das im Barock sehr beliebt war und zu dem unter anderem Lul­ly, Gluck und Hän­del gewichtige Beiträge geliefert haben. Tiepo­lo hat Bilder dazu gemalt. Zudem war er mit der Lebenswelt der Ospedali ver­bun­den, der Waisen­häuser für Mäd­chen. Dort lernte er nicht zulet­zt seine spätere Frau ken­nen. Für das Haus, an dem Vival­di wirk­te, malte er eine Auf­nahme Mariens in den Him­mel.
Klar, dass erst recht in diesem Tiepo­lo-Venedig-Pro­gramm Anto­nio Vival­di auf gar keinen Fall fehlen darf. Er ist mit ein­er Triosonate und der bekan­nten Motette In furore iustis­si­mae irae vertreten. Schließlich gehört die großar­tige Motette Alta nubes illus­tra­ta des Berge­dor­fers und Wahl-Venezian­ers Johann Adolph Has­se zum Pro­gramm dieser vom Ensem­ble Diderot und Johannes Pram­sohler mitreißend musizierten CD.
Nicht zulet­zt geht eine große Wirkung bei dieser Barock­auf­nahme von der Gesangssolistin aus, der kroat­is­chen Mez­zoso­pranistin Diana Haller, schon seit eini­gen Jahren ein Star im Ensem­ble der Stuttgarter Staat­sop­er. Dort begeis­terte sie unter anderem in Hän­dels Alci­na und Ari­o­dante. Sie hat also die
gebotene Barock­kom­pe­tenz und stimm­liche Beweglichkeit, die sie in der vor­liegen­den Auf­nahme bei Kan­tat­en und Motet­ten erfol­gre­ich ein­set­zt. Ihre Stimme hat Fülle und Inten­sität und das gibt ihrem Vor­trag eine pack­ende Inten­sität.
Karl Georg Berg