Werke von Krzysztof Penderecki, Isang Yun, Jaakko Kuusisto und anderen

Duos for Violin and Double Bass

Elina Vähälä (Violine), Niek de Groot (Kontrabass)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Audite 97.732
erschienen in: das Orchester 10/2018 , Seite 77

Mit ein­er abwech­slungsre­ichen Auswahl von Duos aus den jüng­sten drei Jahrzehn­ten demon­stri­eren Eli­na Vähälä und Niek de Groot, dass die Stre­ichin­stru­mente Vio­line und Kon­tra­bass, längst von ihrer vor­ma­li­gen Funk­tion als Ober­stimme und Bass­fun­da­ment emanzip­iert, sich heute musikalisch auf Augen­höhe begeg­nen.
Bere­its im Eröff­nungsstück, Krzysztof Pen­dereck­is Duo con­cer­tante (2011), treten neben der Leis­tungs­fähigkeit der Beset­zung auch die Qual­itäten des Zusam­men­spiels deut­lich her­vor. Vor dem Hin­ter­grund der mit vie­len musikalis­chen Klis­chees hantieren­den Kom­po­si­tion ent­fes­seln die Part­ner ein kon­trastre­ich­es Nacheinan­der kom­mu­nika­tiv­er Sit­u­a­tio­nen, das mit gestisch for­mulierten Phrasen anhebt, um am Ende auf den Instru­mentenko­r­pus überzu­greifen.
Diesem ful­mi­nan­ten CD-Beginn fol­gt als früh­estes und auch heute noch her­aus­fordern­des Beispiel Isang Yuns Kom­po­si­tion Togeth­er (1989), deren orna­men­tal sich verzweigen­den Stim­mver­flech­tun­gen und fein glis­sandieren­den Lin­ien Vähälä und de Groot mit hoch dif­feren­ziert­er Klangge­bung nach­spüren.
Das in weitestem Sinne min­i­mal­is­tis­che, auf weni­gen repetierten, gegeneinan­der ver­schobe­nen und über­lagerten Ele­menten basierende Konzept von Jaakko Kuu­sis­tos Miniö op. 23 (2012) wiederum lässt die Inter­pre­ten zu ein­er hochgr­a­dig nervösen Dichte find­en, der sie als Kon­trast Phasen voller ausat­mender akko­rdis­ch­er Ruhe ein­schreiben – ein Ansatz, den die Musik­er ganz ähn­lich auch beim Umgang mit den unter­schiedlichen Klangsi­t­u­a­tio­nen in Erkii-Sven Tüürs Sym­bio­sis (1996) ver­fol­gen.
Beson­ders plas­tisch gerät Alfred Hubers Dip­ty­chon (Re) Actio op. 18 (2012), das sich auf orig­inelle Weise mit den his­torischen Vor­bildern von Kriegs- und Schlacht­en­musik auseinan­der­set­zt: Während sich Vähälä und de Groot im ersten Satz („Krieg“) in eine vor­wärt­streibende, von hys­ter­ischen Vio­linkon­fig­u­ra­tio­nen durch­zo­gene marschar­tige Dik­tion hine­in­steigern, for­men sie den zweit­en Satz („Frieden“) zu ein­er zynis­chen Groteske aus dem Geiste Schostakow­itschs.
Die bei­den abschließen­den Stücke repräsen­tieren gewis­ser­maßen die Essenz der Pro­duk­tion: Mit knap­pen Vor­gaben aus weni­gen Skalen­be­we­gun­gen und Zusam­men­klän­gen fordert Györ­gy Kurtág in sein­er Miniatur Virág az ember (2000) ein Max­i­mum an Intim­ität, dem die Musik­er mit höch­ster Konzen­tra­tion und fein­er Klangge­bung begeg­nen. Als Gegen­stück fol­gt dann Wolf­gang Rihms extro­vertiert-auss­chweifende Dyade (2011), die sich auf die lyrischen Qual­itäten bei­der Instru­ment besin­nt und sie oft in enger klan­gräum­lich­er Führung zusam­men­bringt.
Vähälä und de Groot durch­schre­it­en den hier vorgegebe­nen musikalis­chen Raum unter Rück­griff auf sämtliche Aus­drucksmöglichkeit­en vom behut­samen Tas­ten bis hin zum emphatis­chen Aus­bruch und beschließen damit ihre im Hin­blick auf musikalis­che Ansätze und inter­pre­ta­torische Nuan­cen außergewöhn­liche Veröf­fentlichung.
Ste­fan Drees