Werke von Rossini, Lauber, Bach und anderen

Duo d’Or

Catarina Laske-Trier (Flöte), Manuela Randlinger-Bilz (Harfe)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: www.duodor.de
erschienen in: das Orchester 03/2020 , Seite 70

Die Möglichkeit­en der Auf­nah­me­tech­nik sind faszinierend; kann man doch heutzu­tage mit ver­gle­ich­bar wenig tech­nis­chem Aufwand gute Musik­mitschnitte her­stellen, die auch dem kri­tis­chen Hör­er gefall­en. Dass dabei den­noch bisweilen Dinge nicht opti­mal laufen kön­nen, Zeit, Ner­ven und Geduld der Inter­pretinnen und der sie beglei­t­en­den Ton­meis­ter stra­pazieren, liegt in der Natur der Sache: Stellen doch nicht nur das dif­fizile Zusam­men­spiel der Musik­er im Hin­blick auf musikim­ma­nente Prozesse, son­dern auch der reizvoll-heik­le Dia­log mit der Rau­makustik, das endgültige Abmis­chen gewisse Hür­den, die es span­nungs- und inspi­ra­tionsvoll zu meis­tern gilt.
Wie gemacht für fein­ste Klang­far­ben­spiele scheint hier die Kom­bi­na­tion Quer­flöte-Harfe: Sie kön­nen im gle­icher­maßen ätherischen wie auch kraftvollen Spiel der Kräfte zu ein­er faszinieren­den Sym­biose ver­schmelzen. Diesem Spiel wid­men sich Cata­ri­na Laske-Tri­er (Flöte) und Manuela Ran­dlinger-Bilz (Harfe) in einem bre­it gefächerten kom­pos­i­torischen Rah­men, chang­ierend zwis­chen Orig­i­nalkom­po­si­tio­nen und geschick­ten Bear­beitun­gen. So hören wir auf dieser CD etwa Kom­po­si­tio­nen von Rossi­ni, Lauber, Bach eben­so wie von Piaz­zol­la, Rav­el oder Ibert und anderen.
Der Grundges­tus in der über­wiegend melodisch gedacht­en Zugangsweise des Duos ist nahezu unab­hängig von der jew­eili­gen Kom­po­si­tion äußerst entspan­nt; innere Bewe­gun­gen, kom­pos­i­torische Span­nungszustände und ihre Entspan­nung darzustellen, wird weit­ge­hend ver­mieden zugun­sten eines sehr aus­geglich­enen Klangs, in dem bei bei­den Instru­menten der tech­nis­che Aspekt im leicht-spielerischen Sinn im Vorder­grund ste­ht. In der gün­sti­gen Akustik des Auf­nah­me­orts (Immanuel­skirche, Wup­per­tal-Bar­men) lässt sich die Ein­spielung trans­par­ent durch­hören. Auch vir­tu­ose Pas­sagen ver­schwim­men nicht, ein sehr fein­er Hall trägt den Ton, ohne ihn zu bedrück­en.
Soweit also alles schön? Ja. Und das ist auch ein wenig die Achilles­ferse der vor­liegen­den CD. Fast unab­hängig vom gewählten Stil – nach welchen Gesicht­spunk­ten eigentlich? Ein klein­er Text im Book­let wäre inter­es­sant gewe­sen –, der Art der Bear­beitung, dem kom­pos­i­torischen Kon­text, zeich­nen Laske-Tri­er und Ran­dlinger-Bilz zwar immer wieder tech­nisch ein­wand­freie Momen­tauf­nah­men, fes­seln aber nicht mit einem klaren Beken­nt­nis zu den Eigen­tüm­lichkeit­en der von ihnen selb­st aus­gewählten, höchst unter­schiedlichen Stilis­tiken.
So kommt Bachs g-Moll-Sonate BWV 1020 klan­glich fast gle­ich gewan­det daher wie Rossi­nis Andante con Vari­azioni, ist Piaz­zol­las Café 1930 sehr kor­rekt und damit wenig inspiri­ert gespielt, ver­misst man nicht nur hier die deut­lichen Akzente, die Agogik im fein­sten Detail, das mutvolle Abphrasieren, die dynamisch-stärk­er kon­trastierende Band­bre­ite, den echt­en Dia­log – oft nur Nuan­cen, die der Musik ihre faszinierend-schillernde Span­nung geben. So, wie ein Gesicht eigentlich erst dann wirk­lich anziehend und faszinierend wirkt, wenn es nicht nur eben­mäßig-schön ist.
Christi­na Humen­berg­er