Dvorák, Antonín / Arthur Foote

Dumky-Trio / Klaviertrio op. 5

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Spektral SRL4-09061
erschienen in: das Orchester 12/2010 , Seite 75

Im Jahr 2006 gegründet, hat sich das Enigma Trio in kurzer Zeit einen Namen als exzellentes Kammermusikensemble erworben: Das Klaviertrio mit der deutschen Geigerin Konstanze Felber und dem rumänischen Cellisten Gabriel Faur, Mitgliedern des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn, sowie dem polnischen Pianist Maciej Szyrner haben ihre Debüt-CD vorgelegt, die dies eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Schon die Zusammenstellung, eine Kopplung des populären Dumky-Trios von Dvorák mit dem c-Moll-Trio op. 5 des hierzulande eher unbekannten amerikanischen Komponisten Arthur Foote (1853-1937) lässt aufhorchen – die Interpretation erst recht. Natürlich erregt zunächst das Werk von Foote die größte Aufmerksamkeit: Das Trio des ersten prominenten amerikanischen, ganz in seiner Heimat ausgebildeten Komponisten steht tief in romantischer Tradition, hat aber – auch wenn gelegentlich Mendelssohns d-Moll-Trio von der Ferne grüßen lässt – eine durchweg eigene Charakteristik: Es lebt von einer tief empfundenen romantischen Klangsprache mit beseeltem Melos und dichtem Satz, mit subtilen und auch witzigen Klangeffekten. Die beiden Streicher schwelgen in Kantilenen, lassen ihre Instrumente leuchten und „schmelzen“ (ohne zu „schmalzen“); Maciej Szyrner meistert den anspruchsvollen, virtuosen wie kompakten Satz mit Bravour.
Dieses Klaviertrio von Arthur Foote ist eine Entdeckung – doch auch die Interpretation des nun wahrlich eher „abgespielten“ Dumky-Trios von Antonín Dvorák durch das Enigma Trio! „Duma“ informiert das informative Beiheft, bedeutet im Ukrainischen „Gedanke, Nachsinnen“ – und „Nachsinnen“ beschreibt treffend, wie die Interpreten an dieses Opus herangehen. Der erste Satz beginnt verhalten, fast tastend, so als wollte das Ensemble sich erst in die slawischen Stimmung hineinfühlen. Ein Ausloten des komplexen und weiten Stimmungsspektrums, verbunden mit einer exakten Umsetzung des Notentexts, auch der dynamischen Vorgaben, beherrscht denn die gesamte Interpretation des Trios. Das klare und perlende Klavierspiel von Maciej Szyrner droht die Streicher nicht zu erdrücken, die wiederum mit fahlen und geheimnisvollen Tönen überraschen und dem Glutvollen der Partitur aber dennoch nichts schuldig bleiben – eine CD, die jede Sammlung bereichert.
Wolfgang Birtel