Frieder Reininghaus

Düsseldorf: Reproduktion der Reproduktion

Preisträgerkonzert des Aeolus-Bläserwettbewerbs mit den Düsseldorfer Symphonikern

Rubrik: Bericht
erschienen in: das Orchester 12/2022 , Seite 54

Der Nachwuchs kann sich hören lassen. Mehr noch: In der Düsseldorfer Tonhalle bescherten die siegreichen Finalist:innen des 16. Internationalen Bläserwettbewerbs Aeolus einen auch musikalisch besonnten Sonntagmittag im September. Besonderen Pfiff hatte Vincent Davids Pulse. Der als bester Interpret zeitgenössischer Musik ausgezeichnete Roman Markelov entlockte sie seinem Saxofon. Dies einzige Stück neueren Datums bot der stupenden Technik des in Moskau geborenen Kölner Studenten beste Demonstrationsmöglichkeiten für blitzschnelle Registerwechsel, sonore Tiefen, grelle Höhen. Schlagimpulse auf den Klappen strukturieren die exaltierte Melodie-Lineatur.
Vor dieser kurzweiligen Zugabe absolvierte Salvatore Alessandro Miceli im Hauptprogramm Pierre-Philippe Bauzins Poème (1960). Der inbrünstige Dialog ohne Worte zwischen Solist und Orchester bietet weit weniger Angriffspunkte zum Vorführen technischer Finessen als Pulse. Dies ist in der zugespitzten Wettbewerbssitua­tion ein Handicap, das der aus Sizilien stammende Saxofonist trotz makelloser Leistung nicht kompensieren konnte. Von der Jury wie durch das Plebiszit wurde er auf Platz 3 verwiesen.
Gerahmt wurde das epigonale Poème von alt­bewährtem Mozart. Karsten Hoffmann, seit drei Jahren beim Sinfonieorchester Wuppertal, absolvierte das Horn-Konzert KV 595 makellos mit souveräner Gelassenheit und holte sich den 2. Preis. Der erste ging an Oliver Shermacher (Aus­tralien). Er nutzte das Klarinetten-Konzert mit Gefühl fürs Elegische, beeindruckender Fingerfertigkeit und lockerem Charme für eine sehenswerte Performance. Die Ungenauigkeiten der von Vitali Alekseenok aufgemunterten Düsseldorfer Symphoniker konnten ihn nicht beirren.
Gewiss sind Studierende froh, wenn sie sich bei einem gutdotierten Wettbewerb profilieren können. Die älteren Herren der Jury saßen beim Final-Konzert in einem vom übrigen Audito­rium abgegrenzten Geviert. Sie waren zum selben Urteil gelangt wie das Publikum. Auf die Erfüllung von dessen eingefleischten Erwartungen ist die Veranstaltung ausgerichtet. Im Prinzip ist sie edel, hilfreich und gut für die Reproduktion von „Klassik“-Nachwuchs.