Wolfgang Amadeus Mozart

Drei Sätze für Klaviertrio, Fragmente KV 442

Ergänzungen von Maximilian Stadler und Robert D. Levin, hg. von Wolf-Dieter Seiffert, Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Henle, München
erschienen in: das Orchester 01/2020 , Seite 68

Zum Zeit­punkt seines frühen Todes im Alter von 35 Jahren hat Wolf­gang Amadeus Mozart eine Rei­he an unvol­len­de­ten Werken hin­ter­lassen. Das wohl promi­nen­teste Beispiel bildet hier­bei mit Sicher­heit das Requiem KV 626, um das sich nicht nur zahlre­iche Leg­en­den ranken, son­dern das auch von mehreren Wegge­fährten Mozarts ergänzt bzw. vol­len­det wurde. Neben Mozarts Schüler Franz Xaver Süß­mayr – von ihm stammt die heu­te bekan­nte Ver­voll­ständi­gung – hat sich auch Max­i­m­il­ian Stadler mit dem Requiem beschäftigt.
Eine wichtige Rolle bei der Ver­voll­ständi­gung dieser Frag­mente spielte Mozarts Ehe­frau Con­stanze, welche mit konkreten Aufträ­gen an Wegge­fährten Mozarts herange­treten ist. Auch die vor­liegende Ergänzung der vom Kom­pon­is­ten als Frag­mente hin­ter­lasse­nen Sätze für Klavier­trio KV 442 gehen auf Con­stanze Mozarts Engage­ment zurück, die Max­i­m­il­ian Stadler gebeten hat, aus Mozarts Nach­lass geeignete Frag­mente auszuwählen und zu ergänzen. Von den hin­ter­lasse­nen Klavier­trio-Sätzen wählte Stadler für seine Ver­voll­ständi­gung jene Frag­mente aus, die bere­its bis zu einem fort­geschrit­te­nen Kom­po­si­tion­ssta­di­um gediehen waren. Die Ver­voll­ständi­gun­gen Stadlers sind als erster Teil in der vor­liegen­den, von Wolf-Dieter Seif­fert her­aus­gegebe­nen Note­naus­gabe enthal­ten.
Um Mozarts Kom­po­si­tion­sstil noch näher zu kom­men, wurde der US-amerikanis­che Pianist Robert D. Levin mit der Kom­po­si­tion von Auf­führungsalter­na­tiv­en beauf­tragt, wie der Her­aus­ge­ber in seinem Vor­wort aus­führt. Hin­ter den Stadler-Fas­sun­gen find­en sich somit im vor­liegen­den Noten­band die Klavier­trio-Sätze in der neuen Fas­sung Levins. Wie aus dem Noten­text her­vorge­ht, bezieht Levin für seine Ergänzun­gen sowohl Mozarts Frag­mente als auch Stadlers Ergänzun­gen mit ein.
In den Bemerkun­gen wer­den sowohl die Quel­len­lage als auch edi­torische Details offen­gelegt. Ins­beson­dere liegt der Fokus hier­bei auf Stadlers hand­schriftlichen Ein­tra­gun­gen in die auto­grafen Quellen Mozarts, welche eben­so ange­führt wer­den wie die Ein­tra­gun­gen von weit­eren Zeitgenossen. Fern­er wur­den als Quellen auch Abschriften herange­zo­gen und bew­ertet. Die Aus­gabe hält damit hohen wis­senschaftlich-kri­tis­chen Ansprüchen stand.
In gle­ichem Zug wen­det sich der vor­liegende Noten­band aber auch an die Musizier­prax­is: Neben der von Jacob Leuschn­er mit Fin­ger­sätzen verse­henen Klavier­stimme enthält der Band auch den Part für die Vio­line und das Vio­lon­cel­lo jew­eils als sep­a­rate Stim­maus­gaben – allerd­ings find­en sich hier keine Strich­beze­ich­nun­gen oder Fin­ger­sätze. Der angenehm pro­por­tion­ierte und sehr über­sichtlich gestal­tete Noten­satz garantiert zudem ein kom­fort­a­bles Musizieren. Nicht zulet­zt aber bezeugt das aus der vor­liegen­den Aus­gabe sprechende Bemühen um eine dem Kom­pon­is­ten möglichst nahek­om­mende und damit authen­tis­che Stilis­tik die Fasz­i­na­tion, welche Mozart auch noch in der Gegen­wart des 21. Jahrhun­derts – und damit bald 230 Jahre nach seinem Tod – auf Musik­liebende ausstrahlt.
Bernd Wladi­ka