Reger, Schubert

Dreamer

Works for violin and piano by Reger and Schubert. Anna Sophie Dauenhauer (Violine), Lukas Maria Kuen (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Coviello Classics COV91907
erschienen in: das Orchester 07-08/2019 , Seite 75

Ein klein wenig irreführend ist der Titel Dream­er („Träumer“) schon, wenn einem mit dem Start der vor­liegen­den CD die volle Wucht des Kopf­satzes von Max Regers let­zter Vio­lin­sonate ent­ge­gen­schlägt. Ein kurz­er Blick ins Book­let macht dann aber schnell klar, dass sich dieser Titel auf drei Bear­beitun­gen von Liedern Regers für Vio­line und Klavier bezieht, die so etwas wie den beruhi­gen­den Über­gang von über­bor­den­der Spätro­man­tik zu klas­sis­ch­er Schlichtheit auf diesem Ton­träger markieren.

Doch der Rei­he nach und zurück zur Vio­lin­sonate op. 139 von Max Reger, die Anna Sophie Dauen­hauer und Lukas Maria Kuen am Beginn dieses 70-minüti­gen CD-Pro­gramms so unge­mein fes­sel­nd und bril­lant vorstellen, dass man während des gesamten „Con pas­sione“ betitel­ten Kopf­satzes kaum zum Atmen kommt. Die bei­den Voll­blut-Kam­mer­musik­er beherrschen die gesamte Skala der hier geforderten musikalis­chen Aus­drucksmit­tel vom hero­is­chen Auf­schwung und der großen sin­fonis­chen Geste bis hin zum ganz zurückgenomme­nen Sot­to-Voce-Gesang. Bril­lant in der Vir­tu­osität, glasklar in allen Details und äußerst leb­haft im Zusam­men­spiel ist diese Sonate in allen vier Sätzen ein per­fekt musiziertes Argu­ment für mehr Max Reger im Konz­ert­saal.

Drei selb­st arrang­ierte Reger-Lieder bietet das Duo Dauenhauer/Kuen zumin­d­est hier schon ein­mal als Zugabe an – wobei „Zugabe“ der Dra­maturgie auf dieser CD eben nicht ganz gerecht wird: Die wun­der­bar schlicht und klangschön musizierten Lieder schließen sich kon­se­quent an das fein aus­bal­ancierte und ruhig ausklin­gende Sonat­en-Finale mit sein­er Vari­a­tio­nen­folge an. Und die drei kurzen Lieder sind auch eine wun­der­bare Vor­bere­itung auf die Klang­sprache der bei­den Sonati­nen von Franz Schu­bert, die Anna Sophie Dauen­hauer und Lukas Maria Kuen genau­so überzeu­gend wie die Reger-Sonate zu Gehör brin­gen, die aber eben in ein­er so ganz anderen musikalis­chen Welt zuhause sind.

In allen Details per­fekt ist auch hier das von der Ton­tech­nik bril­lant abge­bildete Zusam­men­spiel der bei­den Musik­er. Doch ganz wie es Franz Schu­berts in ihrer unprä­ten­tiösen Schlichtheit wirkungsvolle Sonati­nen erfordern, nehmen sich Dauen­hauer und Kuen vornehm zurück und schaf­fen es sog­ar, die ja dur­chaus sehr unter­schiedlichen Klangspek­tren von Vio­line und Klavier als musikalis­che Ein­heit erscheinen zu lassen. Die Eck­sätze wirken leicht­gängig und beredt, und die bei­den Andan­tesätze weisen einen per­fek­ten Puls und eine gesan­gliche Mitte auf. So muss es Schu­bert wohl gemeint haben.

Daniel Knödler