Franz und Carl Doppler

Doppler Discoveries

András Adorján & Emmanuel Pahud (Flöte), Jan Philip Schulze (Klavier), Arcis Hornquartett

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Farao
erschienen in: das Orchester 06/2019 , Seite 70

Unter den Flöten­vir­tu­osen des 19. Jahrhun­derts fall­en die Brüder Franz und Carl Doppler durch die Per­fek­tion ihres Zusam­men­spiels und ihre meist anspruchsvollen Kom­po­si­tio­nen auf, die immer noch sehr beliebt sind, wie zahlre­iche Ein­spielun­gen beweisen. Für die während ihrer Arbeit als Diri­gen­ten ent­stande­nen Büh­nen­werke, die sich ähn­lich wie die Flöten­musik an der Idee ein­er nationalen ungarischen Musik­tra­di­tion ori­en­tieren, gilt das trotz damals erfol­gre­ich­er Auf­führun­gen lei­der nicht. Gut, dass sie wenig­stens im Book­let Erwäh­nung find­en.
Schon auf dem Cov­er demon­stri­ert die aktuelle CD die starke Iden­ti­fika­tion von András Ador­ján und Emmanuel Pahud mit den Dopplers, indem ihre Köpfe in die Abbil­dung der bei­den Brüder einge­fügt wur­den, und sie bringt in der Tat das Reper­toire sub­stantiell Erweit­ern­des. Neu ist, dass es sich bei Andante und Ron­do op. 25 für zwei Flöten und Klavier um den 3. und 4. Satz ein­er voll­ständi­gen Sonate han­delt. Franz Doppler schick­te sie zusam­men mit anderen Arbeit­en im Feb­ru­ar 1873 an den Schott-Ver­lag. Man kann nur spekulieren, warum die ersten bei­den Sätze, ein Sonaten­satz und ein Menuett, das auch ein Scher­zo sein kön­nte, zurück­ge­zo­gen wur­den – vielle­icht aus Sorge, mit dieser Form nicht den Pub­likums­geschmack zu tre­f­fen.
Als Vari­ante und Ergänzung eines weit­eren Werks, der Ungarischen Fan­tasie op. 26, wird ein „Chant pas­toral hon­grois“ für zwei Flöten und Klavier vorgestellt, ohne Opus und wohl wie op. 25 eine Gemein­schaft­skom­po­si­tion. Das Stück begin­nt in den Flöten zunächst wie gewohnt, bringt in der Fort­set­zung aber neues Mate­r­i­al. Es kön­nte sich dabei um die Urfas­sung han­deln, doch gegenüber dem äußerst pop­ulären op. 26 wird es diese Ver­sion ver­mut­lich nicht leicht haben.
Bish­er unbekan­nt waren auch zwei Kom­po­si­tio­nen für Flöte und Klavier, naturgemäß sel­tener im Werk der bei­den zu find­en. Die Grande Fan­taisie von Franz Doppler ist um 1850 ent­standen, sie enthält vir­tu­ose Vari­a­tio­nen und einen Satz in Bolero-Form. Die Vari­a­tions sur un air hon­grois von Carl Doppler sind ein Zufalls­fund (um 1860) und fol­gen for­mal dem Ver­bunkos-Muster langsam-schnell. Sie sind beson­ders inter­es­sant, da sie eines sein­er weni­gen selb­st­ständi­gen Werke sind.
Schließlich fol­gen mit op. 39 Aus der Heimat noch einige mit vir­tu­osen Effek­ten für die bei­den Flöten verse­hene Nationalmelo­di­en der Donau­monar­chie, die 1879 anlässlich der Sil­ber­hochzeit des Kaiser­paares bestellt wor­den waren. Und nicht zu vergessen das zwar nicht neu ent­deck­te, aber wegen der ungewöhn­lichen Beset­zung sel­ten zu hörende Wald­vögelein op. 21, das im beza­ubern­den Zusam­men­spiel von Flöte und Arcis Horn­quar­tett als zur Idylle geronnene Naturschilderung erscheint.
Alles in allem eine sehr hörenswerte Ein­spielung auf hohem Inter­pre­ta­tions-Niveau, was sich aber bei diesen bei­den Flötis­ten und ihrem engagierten, eigene Impulse liefer­n­den Pianis­ten Jan Philip Schulze von selb­st ver­ste­ht.
Ursu­la Pesek