Richard Strauss

Don Quixote & Cello Works

Ophélie Gaillard (Violoncello), Alexandra Conunova (Violine), Dov Scheindlin (Viola), Vassilis Varvaresos (Klavier), Beatrice Uria-Monzón (Mezzosopran), Czech National Symphony Orchestra, Ltg. Julien Masmondet

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Aparte AP174
erschienen in: das Orchester 09/2018 , Seite 78

Die franzö­sis­che Cel­listin Ophélie Gail­lard wid­met ihre CD Werken von Richard Strauss, in denen ihr Instru­ment eine solis­tis­che Rolle spielt: der F-Dur-Sonate des 17-jähri­gen Kom­pon­is­ten, der zwei Jahre später ent­stande­nen Romanze für Vio­lon­cel­lo und Orch­ester, der Tondich­tung Don Quixote und dem Lied Mor­gen.
So inter­es­sant und ansprechend die Pro­gram­mzusam­men­stel­lung ist, musikalisch kann diese Ein­spielung nicht voll überzeu­gen. Zwis­chen Strauss und Frankre­ich gibt es viele Berührungspunk­te: z. B. bewun­derte Strauss den Klang­far­ben­re­ich­tum und die Klang­malerei in der Musik von Berlioz. Doch Gail­lard küm­mert sich allzu wenig um Schat­tierungsre­ich­tum, unter­schiedlich­es Tim­bre und eine facetten­re­iche Dynamik. Die frühe Vio­lon­cel­lo-Sonate begin­nt sie mit einem so starken Akzent, dass ein unschönes Geräusch entste­ht. Ins­ge­samt klingt diese Sonate für den Hör­er merk­würdig indif­fer­ent. Die Inter­pre­ten scheinen nicht von dieser Musik erfüllt zu sein und sie ver­standen zu haben.
Die Romanze spielt Gail­lard als roman­tis­ches Lied ohne Worte. Doch im drama­tis­chen Mit­tel­teil wird ihr Forte­spiel allzu hart. Sie scheint ihr Instru­ment (und unsere Ohren) verge­walti­gen zu wollen. Dieses Forte­spiel ist dann vor allem in Don Quixote prob­lema­tisch: Offen­bar hat Gail­lard nicht erkan­nt, dass für die Musik von Richard Strauss der Schwung, also Auf­schwünge und Abschwünge, zen­tral ist. Bei ihr dage­gen scheint immer, wenn es laut und drama­tisch wird, der Bogen an der Saite zu kleben. Sie spielt Läufe mit allzu schw­erem Bogen­druck und zu wenig Schwung als Einzeltöne ohne Artiku­la­tion und auch oft, ohne die Angaben in der Par­ti­tur zu Laut­stärke und Dynamik zu beacht­en. Dabei hätte sie sich hier vom bess­er artikulierten Spiel der anderen bei­den Solis­ten, Alexan­dra Conuno­va (Vio­line) und Dov Scheindlin (Vio­la), inspiri­eren lassen kön­nen.
Der Diri­gent Julien Mas­mon­det ver­wirk­licht mit dem Czech Nation­al Sym­pho­ny Orches­tra nur einen ziem­lich grob geschnitzten Don Quixote. Da fehlen die Nuan­cen, die Details und Klang­far­ben. Auch er musiziert zu wenig in größeren Span­nungs­bö­gen. Hier ist wenig vom Auf­bruch des Jugend­stils zu hören, und die Kun­st von Richard Strauss, mit Klang­far­ben­re­ich­tum zu faszinieren, scheint vergessen. Gegenüber den vie­len Ein­spielun­gen dieser Tondich­tung hat die von Gail­lard deshalb einen schw­eren Stand.
Ein Licht­blick ist das Lied Mor­gen, gesun­gen von der wun­der­bar deklamieren­den und ihre Stimme nuan­cen­re­ich ver­wan­del­nden Beat­rice Uria-Monzón. Allerd­ings ent­pup­pt sich die im Bei­heft als „Bear­beitung des Kom­pon­is­ten für Vio­lon­cel­lo und Klavier und Sopran“ deklar­i­erte Fas­sung als Über­nahme der Orch­ester­fas­sung, aus der die Solovi­o­lin­stimme vom Vio­lon­cel­lo über­nom­men wird.
Franzpeter Mess­mer