Händel, Georg Friedrich / Johann Sebastian Bach

Dixit Dominus / Magnificat

Rubrik: CDs
Verlag/Label: BR Klassik 900504
erschienen in: das Orchester 07-08/2013 , Seite 73

Im Label BR Klas­sik legt der Bay­erische Rund­funk eine CD vor, auf der man einen Livemitschnitt zweier großar­tig beset­zter Werke von Hän­del und Bach hören kann. Zwar gibt es von bei­den recht pop­ulären Chor­w­erken etliche, auch Maßstab set­zende Ein­spielun­gen, der Leit­er des Bay­erischen Rund­funk­chors, Peter Dijk­stra, ent­pup­pt sich den­noch als wahrer Glücks­fall für diese Musik, und das in viel­er­lei Hin­sicht. Seine Art zu musizieren erin­nert an frühe Auf­nah­men Gar­diners, wobei die Mit­glieder des Bay­erischen Rund­funk­chors wirk­lich alles mit­machen, was ihr Chef fordert: ras­ante Tem­pi, per­fek­te Übergänge, ein makel­los homo­gen­er Klang, stu­pende Into­na­tion­ssicher­heit und eine deut­liche Aussprache. Sich­er – Let­ztere lei­det manch­es Mal an den arg über­zo­ge­nen Tem­pov­orstel­lun­gen Dijk­stras, wenn etwa End­sil­ben bis zur Unken­ntlichkeit abphrasiert wer­den (in Hän­dels Dix­it Domi­nus) oder die Textver­ständlichkeit in manch poly­fo­nen Pas­sagen bei Bachs Mag­ni­fi­cat ver­loren geht. Entschädigt wird man dafür jedoch durch das tadel­los funk­tion­ierende Zusam­menge­hen mit dem atem­ber­aubend sich­er agieren­den Ensem­ble Con­cer­to Köln, dem man lediglich etwas weniger dominierende Trompe­ten und schlankere Pauken gewün­scht hätte. Dass dieses Orch­ester jedoch über eine bril­lante Spiel­tech­nik ver­fügt sowie eine „Rou­tine ohne jed­wede Erstar­rung“ ausstrahlt, war von den Köl­nern nicht anders zu erwarten.
Den­noch darf und muss die Frage erlaubt sein, warum es Dijk­stra bei ein­er BR-eige­nen Pro­duk­tion nicht ver­mocht hat, auf die Mit­glieder des Bay­erischen Rund­funko­rch­esters zurück­zu­greifen. Sicher­lich kön­nte man doch aus dessen exquis­item Mit­glieder­fun­dus ein Kam­merorch­ester bilden, das stilis­tisch her­vor­ra­gend agiert hätte, um somit die sich­er aus Rund­funkge­bühren aufge­bracht­en Mehrkosten für Con­cer­to Köln einzus­paren. Wie gesagt, ein kleines Poli­tikum am Rande, denn durch solche sicher­lich gut gemein­ten Koop­er­a­tio­nen erweist man den momen­tan heiß disku­tierten Orch­ester­schließun­gen im Bere­ich des Nach­barsenders SWR lei­der einen Bären­di­enst. Denn wer will auss­chließen, dass von „Rot­s­tiftak­tivis­ten“ auch in München der­male­inst Grund­satzfra­gen gestellt wer­den?
Dies alles schmälert indes wed­er die Leis­tun­gen von Con­cer­to Köln noch die des Solis­te­nensem­bles und erst recht nicht die Qual­ität der gesamten Ein­spielung. In den Alt­par­tien ist der betörend schlank sin­gende Counter Maarten Engelt­jes zu hören, die Sopranstim­men teilen sich Christi­na Land­shamer und Diane Haller (sie har­monieren wun­der­bar im Terzett „Sus­cepit“) und als Bass­bari­ton agiert Kon­statin Wolff, dem ein warm tim­bri­ertes „Quia fecit“ gelingt. Beson­ders beein­druckt Tenor Max­i­m­il­ian Schmitt, der im „Depo­suit“ wahrlich sportlich-sän­gerische Höch­stleis­tun­gen zu voll­brin­gen hat und diese sou­verän meis­tert.
Thomas Krämer