Gewandhaus zu Leipzig/ Andreas Schulz/ Sigrid Hofer (Hg.)

Die Kunst im Gewandhaus

Ein Gesamtkunstwerk aus Form, Farbe, Klang

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: E. A. Seemann
erschienen in: das Orchester 04/2021 , Seite 60

Dieser Band wid­met sich der Dauer­ausstel­lung Bilden­der Kun­st in Leipzigs tra­di­tion­sre­ichem Konz­erthaus. Überblicks-haft und infor­ma­tiv in den Textstreck­en, ver­fol­gt der Kat­a­log dabei im Bildteil die Idee eines virtuellen Rundgangs durch die Foy­ers des Haus­es.
Der Ein­führung­s­text von Sigrid Hofer zeich­net im his­torischen Kon­text die Entste­hung des Gebäudes und der dazu konzip­ierten Ausstel­lung nach. Das neue Gewand­haus galt als wichtiger Repräsen­ta­tions­bau der DDR. Für die ständi­ge Ausstel­lung anlässlich der Eröff­nung 1981 wur­den bedeu­tende Kün­stler des Lan­des mit Aufträ­gen betraut. Im Mit­telpunkt sollte dabei das The­ma „Musik“ im gesellschaftlichen- und stadt­geschichtlichen Kon­text ste­hen. Die bild­kün­st­lerischen Posi­tio­nen von Arno Rink, Hei­drun Hege­wald, Heinz Zan­der, Nuria Queve­do, Hein­rich Hachul­la und anderen Kün­stlern der Samm­lung sind heute nicht zulet­zt als Zeit­doku­mente zu lesen.
Der andere Schw­er­punkt der Expo­si­tion liegt auf der Skulp­turen­samm­lung, die vor allen Din­gen Porträt­büsten bedeu­ten­der Kom­pon­is­ten und Diri­gen­ten vere­int, deren Entste­hungszeit vom Anfang des 20. Jahrhun­derts bis in die Gegen­wart reicht. Die Skulp­turen­samm­lung des Gewand­haus­es wurde seit den 1990er Jahren kon­tinuier­lich erweit­ert.
Untrennbar mit dem Bauw­erk ver­bun­den und schon vom Augus­tus­platz her durch die Glas­fas­sade wei­thin sicht­bar ist das sich über mehrere Eta­gen erstreck­ende größte zeit­genös­sis­che Deck­en­fresko Europas, der Gesang vom Leben des Leipziger Malers Sighard Gille (*1941). Lei­der wurde kein Ver­such unter­nom­men, dieses mon­u­men­tale Gemälde voll­ständig abzu­bilden, sodass alle Details gut erkennbar wären – im besten Fall auf ausklapp­baren Seit­en.
Der buchgestal­ter­ischen Idee eines Rundgangs durch die Foy­ers fol­gend, wer­den alle Werke in zweifach­er Weise abge­bildet: Ein­er Repro­duk­tion des Kunst­werks ist jew­eils eine Fotografie zur Seite gestellt, die das Werk in seinem Am-biente zeigt. Dieses Konzept geht lei­der in den aller­meis­ten Fällen nicht auf, da kein gelun­gener Dia­log zwis­chen den Fotos entste­ht. Oft­mals wirken die Bil­dauss­chnitte der Rau­mauf­nah­men ungün­stig gewählt. Prob­lema­tisch wird es ins­beson­dere dann, wenn sich Fotos mit unter­schiedlich­er Beleuch­tung – Tages- und kün­stlich­es Licht – auf ein­er Dop­pel­seite direkt gegenüber­ste­hen und die Ober­flächen der Skulp­turen ver­flachen. Einen wirk­lichen Ein­druck von der Innenar­chitek­tur oder der Stim­mung vor Ort bekommt man sel­ten.
Den Band durchzieht ein dis­tanziert­er Blick, der im Text-Kom­men­tarteil angemessen erscheint, aber den Werken selb­st kaum Gele­gen­heit gibt, ihre Wirkung zu ent­fal­ten. Der Bild­band ist somit dur­chaus infor­ma­tiv, aber unter buchgestal­ter­ischen Gesicht­spunk­ten weniger gelun­gen. Das zeigt sich aber schon beim Buch­cov­er, dessen Design-Entschei­dung ein Rät­sel bleibt.
Anja Klein­michel