Wagner, Richard

Die Feen

3 CDs

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Oehms Classics OC 940
erschienen in: das Orchester 04/2013 , Seite 71

Es ist der Zauber der Musik, der es dem Prinzen Arindal ermöglicht, seine ver­stein­erte Frau, die Fee Ada, zu erlösen und durch seinen wun­der­baren Gesang auch für sich selb­st die Unsterblichkeit zu erlan­gen: In sein­er 1833/34 kom­ponierten Oper Die Feen lässt Richard Wag­n­er bere­its
einige der Motive durch­scheinen, die ihn sein ganzes Leben hin­durch begleit­en soll­ten – etwa Ver­damm­nis und Erlö­sung durch Liebe. Musikalisch hört man deut­lich, was Wag­n­er in diesen Jahren bee­in­flusste: Ein wenig Freis­chütz, Oberon, Zauber­flöte oder Hoff­manns Undine. Den­noch kann man nicht von einem epig­o­nalen Werk sprechen, son­dern erah­nt in dieser Par­ti­tur des ger­ade 20-Jähri­gen schon viel von dem, was seine späteren Meis­ter­w­erke ausze­ich­nen sollte.
Nichts­destotrotz kon­nten sich die erst fünf Jahre nach Wag­n­ers Tod uraufge­führten Feen bis heute nicht auf den Spielplä­nen durch­set­zen. Erstaunlicher­weise existieren aber eine ganze Rei­he von Ein­spielun­gen, denen das Frank­furter Opern- und Muse­um­sor­ch­ester unter Leitung von
Sebas­t­ian Wei­gle nun eine weit­ere hinzuge­fügt hat. Die Pro­duk­tion ent­stand aus dem Livemitschnitt zweier konz­er­tan­ter Auf­führun­gen, wobei das – abge­se­hen von dem auf ein­er CD nun wahrlich über­flüs­si­gen Schlus­sap­plaus – nicht neg­a­tiv zu Buche schlägt.
Das Orch­ester spielt ger­ade im Ver­gle­ich mit älteren Ein­spielun­gen erfreulich klar, gut phrasiert und, von gele­gentlichen Into­na­tion­strübun­gen etwa in hohen Vio­lin­stellen oder einzel­nen Bläser­akko­r­den ein­mal abge­se­hen, recht sauber – jedoch für die Sänger im Grunde ständig zu laut; eben­so wie der Chor (dessen Soprane mas­sive Höhen­prob­leme zu verze­ich­nen haben) oft mehr brüllt als er singt. Das wirkt zwar höchst engagiert und drama­tisch – aber nicht immer schön.
Doch vor allem beein­trächtigt es die Solis­ten: Zwar wer­den sie auf der Auf­nahme kaum ein­mal wirk­lich übertönt, doch sehen sie sich, außer in dezi­dierten Piano-Pas­sagen, in der Ten­denz offen­bar eben­so wie der Chor ständig gezwun­gen zu schreien. Das verkraften zum Glück die Stim­men der bei­den Haupt­fig­uren Ada (Tama­ra Wil­son) und Arindal (Burkhard Fritz) recht gut und behal­ten ein gewiss­es Maß an Rund­heit und Glanz, doch die meis­ten Frauen­stim­men der Auf­nahme erhal­ten durch die Laut­stärke eine sehr unan­genehme Schärfe in der Höhe, während die Män­ner­stim­men oft sehr angestrengt und hart agieren. Da bleibt naturgemäß auch nicht mehr viel Raum für Aus­druck und Dif­feren­zierung. Das ist schade, denn im Grunde hat man es hier – wie aus eini­gen leis­eren Abschnit­ten ersichtlich wird – mit dur­chaus schö­nen und für das Genre ver­gle­ich­sweise schlanken Stim­men zu tun, die aber eben dynamisch immer wieder an (und über) ihre Gren­zen getrieben wer­den.
Freilich ist dies nicht nur ein Prob­lem dieser Auf­nahme, son­dern ein in roman­tis­ch­er Oper weit ver­bre­it­etes. Insofern ist diese Auf­nahme eben auf­grund ihrer rel­a­tiv­en Klarheit und der glück­lich beset­zten Haupt­par­tien dur­chaus zu empfehlen – in der Hoff­nung, dass irgend­wann ein­mal eine auf den Markt kommt, in der die für Wag­n­er ja so emi­nent wichti­gen Texte wirk­lich noch mit Aus­druck gesun­gen wer­den kön­nen.
Andrea Braun