Werke von Christian Lauba, Georges Aperghis, François Rossé und anderen

Deutscher Musikwettbewerb 2012 Award Winner

Koryun Asatryan (Saxofon)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin GEN 14301
erschienen in: das Orchester 04/2015 , Seite 83

Eine in zweifach­er Hin­sicht bemerkenswerte CD. Der Deutsche Musikrat schafft mit der Pro­duk­tion dieser CD einem genialen Sax­o­fon­is­ten ein Podi­um, sich der Öffentlichkeit zu präsen­tieren. Mit Karo­la Pavone (Sopran), Eva Barthas (Sax­o­fon) und Gareth Lubbe (Vio­la, Voic­es) ste­hen Koryun Asatryan (Pro­fes­sor für Klas­sis­ches Sax­o­fon an der Hochschule für Musik München) bei der Inter­pre­ta­tion der Werke drei dur­chaus gle­ich­w­er­tige Mit­musik­er zur Seite. Er archiviert damit aber auch auf ein­er ganzen CD zeit­genös­sis­che Orig­i­nalkom­po­si­tio­nen für Klas­sis­ches Sax­o­fon, was ich für noch viel wichtiger erachte.
Mit annäh­ernd 30000 Orig­i­nalkom­po­si­tio­nen (Stand 2012, Unter­hal­tungsmusik und Jazz nicht ein­gerech­net) gibt es mehr konz­er­tante Lit­er­atur für Klas­sis­ches Sax­o­fon als für Vio­lon­cel­lo. Den­noch bein­hal­ten in Deutsch­land pro­duzierte CDs üblicher­weise Tran­skrip­tio­nen von Bach, Mozart, Schu­mann usw. Natür­lich hat das erst 1842 erfun­dene Sax­o­fon diese Kom­pon­is­ten­na­men nicht vorzuweisen. Dafür aber Namen wie Debussy, Hin­demith, Berio, Glass, Halffter, Denisov !
Mit den aus­gewählten Kom­po­si­tio­nen von Chris­t­ian Lau­ba, Georges Aperghis, François Rossé, Eti­enne Rolin, Hroyu­ki Itoh und Hay­den Chisholm zeigen Koryun Asatryan und seine drei musikalis­chen Part­ner auf tech­nisch und musikalisch höch­stem Niveau, welch großar­tige Lit­er­atur inzwis­chen für dieses ein­ma­lige Instru­ment geschaf­fen wurde. Lit­er­atur, die man – und das ist für das Sax­o­fon sehr wesentlich – nur mit diesem Instru­ment spie­len kann!
Chris­t­ian Lau­ba, wohl der bekan­nteste und ein­fühlsam­ste aller aktuellen Sax­o­fonkom­pon­is­ten, ist nicht umson­st mit gle­ich vier Werken dabei: Sal­sa (eine Welt-Erstein­spielung), Bal­a­fon, Tadj und Ars – die erste, die fün­fte und die achte sein­er genialen Neuf études pour saxophone.
Und wer gute, nein: großar­tige Kam­mer­musik für Sax­o­fon mit anderen Instru­menten sucht, der sollte sich unbe­d­ingt Rasch (Alt­sax­o­fon und Bratsche) von Georges Aperghis, Vous, Blue Look! (Alt­sax­o­fon und Bratsche) von Eti­enne Rolin und Wind Over the Plains (Sax­o­fon, Vio­la, Voice – eben­falls eine Welt-Erstein­spielung) von Hay­den Chisholm anhören!
Etwas schade finde ich, dass im Book­let so gar nichts über die Kom­pon­is­ten oder gar über die aufge­führten Stücke zu lesen ist. Auch wenn hier ein (großar­tiger) Instru­men­tal­ist vorgestellt wird, geht es doch wohl in der Haupt­sache um Musik, und also auch um die Kom­po­si­tio­nen und die dazuge­höri­gen Kom­pon­is­ten. Nun, im Zeital­ter des Inter­nets find­et man auch so, was man wis­sen will.
Aber nichts desto trotz noch ein­mal: eine in jed­er Hin­sicht bemerkenswerte CD! Chapeau!
Gün­ter Priesner