Beverly Blankenship

Der singende Körper in Bewegung

Handbuch für Musiktheaterstu­dierende und Berufsanfänger im Opernbetrieb. Mit einem musika­lischen Ratgeber von Anne ­Champert

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Olms
erschienen in: das Orchester 12/2022 , Seite 60

Die Oper ist eine grausame ­Geliebte, denn sie will von Euch Sän­gerIn­nen tat­säch­lich nicht nur schö­nen Gesang, son­dern auch berühren­des, mitreißen­des Spiel“, so Autorin Bev­er­ly Blanken­ship. Auch Regi­eschaf­fend­en geht es nicht anders: „Regieführen ist wun­der­bar und gefährlich, ein Geschenk und viel Arbeit.“ Um diese Arbeit für Opernsänger:innen und Regieführende zu erle­ichtern, schrieb die Schaus­pielerin, Regis­seurin und Pro­fes­sorin Bev­er­ly Blanken­ship ein ein­fühlsames, auf ihren eige­nen Erfahrun­gen basieren­des Kom­pendi­um mit dem ein­prägsamen Titel Der sin­gende Kör­p­er in Bewe­gung.
Dieses umfan­gre­iche Werk unterteilte sie in zwei große Kapi­tel, eines für Opernsänger:innen, eines für Regisseur:innen, die aber bei­de eng miteinan­der verzah­nt sind, damit ein­er­seits Opernsänger:innen auch die Auf­gaben der Regie ver­ste­hen und ander­er­seits Regisseur:innen die Schwierigkeit­en und die musikalis­chen Kern­punk­te des Opernge­sangs nachvol­lziehen kön­nen. Das erste Kapi­tel bein­hal­tet eine Ein­führung in die Geheimnisse der Oper, Grund­la­gen der Vor­bere­itung ein­er Opern­rolle, Ken­nt­nisse über die Probe­nar­beit, Anmerkun­gen zur Büh­nen­re­al­ität und zur Vorstel­lung, Erfahrun­gen mit der The­ater­welt und wesentliche Fra­gen, die sich Opernsänger:innen immer wieder stellen sollten.
Im zweit­en Kapi­tel geht es um die Vor­bere­itung ein­er Musik­the­ater­pro­duk­tion für Regieführende. Hier ver­ar­beit­et Blanken­ship neben ihren eige­nen Erfahrun­gen, Grund­la­gen über die The­ater­land­schaft im deutschsprachi­gen Raum, Kern­punk­ten zur Aus­bil­dung und zu Grund- und Sin­n­fra­gen, die Struk­tur ein­er Pro­duk­tion und geht dabei genauer auf die Bauprobe, die Proben­vor­bere­itung, die ‑pla­nung, den ‑all­t­ag und Büh­nen- und End­proben ein. Dazu kom­men Hin­weise zum Umgang mit dem Chor und mit Kritiker:innen, zur Pre­miere, zu grundle­gen­den Fra­gen nach Jobs und der eige­nen Leben­s­pla­nung. Das kurze Vor­wort stammt von der Rek­torin der Uni­ver­sität für Musik und darstel­lende Kun­st Wien, Ulrike Sych, das lesenswerte Kapi­tel zur „Musikalis­chen Vor­bere­itung ein­er Opern­par­tie“ von Anne Champert.
Dieser Prax­is­rat­ge­ber ist mehr als nur eine prak­tis­che Hil­fe zum Ein­stieg in den Opern­be­trieb, die Autorin kommt mit den Leser:innen ins Gespräch und ver­mag es, sie zum dif­feren­zierten Nach­denken zu bewe­gen. Er besticht durch seine direk­te, bild­haft-erzäh­lende und sehr per­sön­liche All­t­agssprache und lässt die Leser:innen direkt und unmit­tel­bar am Erfahrungswis­sen der Autorin teil­haben. In QR-Codes wird das Wis­sen durch prax­is­na­he Videobeispiele ergänzt und erweit­ert. Rhetorische Fra­gen lassen die Leser:innen ins Nach­denken kom­men und bieten Sub­stanz für fundierte, fast schon philosophis­che Betra­ch­tun­gen der eige­nen Arbeitswirk­lichkeit. Damit ist dieses Hand­buch ein Muss und eine fundierte Ein­stiegshil­fe, die die Lesenden auch während der Arbeit im Opern­be­trieb immer wieder zu Hand nehmen werden.
Clau­dia Behn