Kunets, Yury

Dedication. Symphonic Music

Wroclaw Score Orchestra, Sinfonia Varsovia, Ltg. Lee Holdridge

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Solo Musica SM 259
erschienen in: das Orchester 09/2017 , Seite 76

 Den Titel dieser CD ver­ste­ht der Kom­pon­ist Yury Kunets als „eine Wid­mung den Men­schen, die mir viel bedeuten und bedeutet haben“. Ob er ihnen damit eine Freude macht? Denn: Ver­wun­dert reibt man sich die Ohren und sucht zunächst ein­mal eine der bei­den (immer etwas prob­lema­tis­chen) Schubladen mit den Auf­schriften „U“ und „E“. Entschei­det man sich für „U“, dann mag die Sache ange­hen, und Kunets’ Kom­po­si­tio­nen mögen dort in Frieden ruhen. Ein län­geres Leben wird ihnen kaum beschieden sein. Das Attrib­ut „sym­phonisch“ freilich sug­geriert die Ablage in der „E“-Schublade – und dor­thin kann sich diese Sym­phonie aus der heilen Welt nur verir­rt haben!
Die 16 Stücke der CD (ver­standen als 16 Sätze ein­er „Sin­fonie“?) sind an Süßlichkeit kaum zu übertr­e­f­fen und zudem von erschreck­ender Beliebigkeit. Nur ein paar Beispiele: Wer nach der Nr. 4 Waltz – Schwa­nensee lässt grüßen! – ver­sucht, einen langsamen Walz­er aufs Par­kett zu leg­en, wird sich die Beine ver­knoten und sich gle­ich mit dazu leg­en. Sel­biges gilt für die Nr. 6 March, bei dem nun wieder der gute Peer Gynt Pate ges­tanden hat. Wer allerd­ings so marschiert, wird zur leicht­en Beute jedes Fein­des – obwohl, vielle­icht lacht sich dieser ja beim Anblick von der­lei Bewe­gungsabläufen ein­fach tot. Die folk­loris­tisch gehal­tene Nr. 13 Dance ist auch nicht wirk­lich tanzbar – es sei denn für einen an Kette und Nasen­ring gehal­te­nen Bären.
Bei der Nr. 8 Requiem hat man den Ein­druck, dass der teure Verblich­ene ein ordentlich­es Sümm­chen hin­ter­lassen haben muss – bei den Erben geht es zwar nicht unbe­d­ingt heit­er zu, aber auch nicht beson­ders trau­rig! In der Nr. 10 Tri­umph klappt es mit dem Walz­er, der Kunets oben nicht so recht gelin­gen wollte, schon etwas bess­er. Aber Tri­umph? Den kön­nen andere bess­er! Auch Kunets’ Vorstel­lun­gen von ein­er nächtlichen Stadt (Night City, Nr. 16) sind wohl eher ländlich geprägt. Aber das mit der Nacht, das mag schon stim­men: Befreien­der Schlaf senkt sich auf den Hör­er hinab. Mit Elegie ist die Nr. 11 über­schrieben – aber wozu? Alle 16 Stücke sind auf ihre Art elegisch und unter­schei­den sich so nicht son­der­lich voneinan­der.
Die sieben am Klavier begleit­eten Orch­ester­stücke (zwei davon auch noch mit kitschigem Schu­bidu-Chor) klin­gen alle mehr oder weniger nach Richard Clay­der­man. Musik darf alles. Nur eines nicht: lang­weilig sein. Kunets’ Kom­po­si­tio­nen sind es.
Auch das Book­let (oder bess­er: die CD-Hülle) wirft einige Fra­gen auf. Den Aus­führen­den muss man im Kleinge­druck­ten schon sehr genau nach­spüren; sie sind im Begleit­text mehr ver­steckt als veröf­fentlicht. Und der Pianist im Clay­der­man-Stil, der hier immer­hin eine ganze Menge zu tun hat, wird – im Unter­schied etwa zu den Tonin­ge­nieuren – über­haupt nicht genan­nt. Ob er sich geschämt hat?
Friede­mann Kluge