Raphael/Severin/Alexis von Hoensbroech

Das Peripetie Prinzip

Die Kunst wirksamer Führung

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Murmann, Hambur
erschienen in: das Orchester 02/2018 , Seite 61

Drei Brüder schreiben ein Buch. Der eine ist pro­moviert­er Musik­wis­senschaftler, Diri­gent und Direk­tor eines Konz­erthaus­es, der andere Diplom-Psy­chologe, Schaus­piel­er und Mod­er­a­tor, der dritte pro­moviert­er (Astro-)Physiker und Top­man­ag­er eines inter­na­tionalen Konz­erns. Kann man sich eine span­nen­dere Autoren­mis­chung für ein Führungs­buch vorstellen? Schon nach Lek­türe der ersten Seit­en stellt man fest: Voll­tr­e­f­fer!
In den ver­gan­genen Jahren sind halbe Bib­lio­theken mit Büch­ern über Führung und Lead­er­ship gefüllt wor­den, die oft­mals ein Stück weit akademisch daherka­men. Nicht so dieses Buch. Wenn drei Prak­tik­er aus ihren unter­schiedlichen Berufs­bere­ichen und Blick­winkeln Führung­sprozesse sezieren, ermöglicht dies sehr span­nende Ein­blicke und Reflek­tio­nen.
Und warum nun der Titel Peripetie? Diesen Begriff aus dem antiken Dra­ma würde man heute vielle­icht mit „in der Krise liegt die Chance“ über­set­zen. Wo also sind die genialen Momente, in denen gutes Führung­shandw­erk in schwieri­gen Sit­u­a­tio­nen zu einem Ausweg, zu ein­er Verbesserung der Lage führt? Und da man diese genialen Momente nicht erzwin­gen kann, wie kann man sie ermöglichen?
Es geht beim Auftritt vor und bei der Führung von Men­schen vor allem um Wirk­samkeit und Authen­tiz­ität. Im ersten großen Abschnitt mit dem Titel „Auf der Bühne durch die Wand gehen“ geht es darum, wie man als Führungskraft überzeu­gend vor ein­er größeren Gruppe auftritt und Inhalte ver­mit­telt, auf Zwis­chen­rufe oder Unvorherge­se­henes reagiert, wie „Heldengeschicht­en“ funk­tion­ieren, wie man einen guten Schluss find­et und lang­weilige Präsen­ta­tio­nen ver­mei­det. Das gilt eben­so für den Auftritt eines Orch­ester­vor­stands in der Orch­ester­ver­samm­lung wie für den eines Inten­dan­ten im örtlichen Par­la­ment.
Der zweite Abschnitt des Buchs („Musik machen statt Noten spie­len“) stellt auf die Arbeitsweisen eines Orch­esters ab, welch­es ein­er­seits die let­zte Bas­tion autokratis­ch­er Führung ist, ander­er­seits aber in vie­len klein­teili­gen Mikroteams funk­tion­iert. Viele Dinge, die im Unternehmen­sall­t­ag passieren, kann man anhand von Führungsstruk­turen eines Orch­esters analysieren – und umgekehrt. Wie geht man am besten mit Fehlern um? Welche Rolle spie­len dabei die Kol­le­gen?
Diverse „Führungs­fall­en“ wer­den ange­sprochen, wie z.B. Macht­demon­stra­tion, Nicht­führen, Mikro­man­age­ment, Sta­tus, und wie man mit ihnen umge­ht. Zur Auf-lockerung sind in eini­gen Pas­sagen des Buchs in den oberen Seit­en­hälften Prax­is­beispiele erläutert, die die dargestell­ten Führung­sprozesse gut flankieren.
Ins­ge­samt ist das Buch sehr lock­er geschrieben, kurzweilig zu lesen und unbe­d­ingt zur Lek­türe zu empfehlen, auch für Men­schen, die gut geführt wer­den wollen.
Ger­ald Mertens