Martin Tröndle (Hg.)

Das Konzert

Beiträge zum Forschungsfeld der Concert Studies

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Transcript
erschienen in: das Orchester 12/2018 , Seite 60

Martin Tröndle befasst sich seit über 15 Jahren wissenschaftlich mit dem Phänomen des Konzerts. Das aktuelle Buch stellt eine Weiterentwicklung dar: Die erste Fassung mit dem fast identischen Titel Das Konzert erschien 2009; 2011 folgte eine um Rezensionen und Reaktionen auf die Erstauflage erweiterte Fassung. Grundlagen des Sammelbands waren Vorträge verschiedener Referenten einer Fachtagung in der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wol­fenbüttel zu „Musikvermittlung und Aufführungskultur“ im April 2008. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Konzertbetrieb deutlich erweitert und diversifiziert. Etliche neue Konzert- und Vermittlungsformate sind entstanden. Im aktuellen Buch findet man daher einige wenige retrospektive Beiträge, die an ihrer Aktualität und Aussagekraft nichts verloren haben.
Im ersten Teil geht es um das „Konzert als Ereignis“. Der zweite Teil ist überschrieben mit „Programme, Formate und Medien“. Er enthält überwiegend neue Beiträge wie zum Beispiel von Folkert Uhde (Mitbegründer des Radialsystems in Berlin). Insbesondere aufgrund der Erfahrungen in den multifunktionalen Konzerträumen des Radialsystems vermittelt Uhde in seinem Beitrag „Konzertdesign: Form follows Func­tion“ gute Beispiele neuer Konzertformate und Präsentationsformen. Matthias Rebstock stellt „Strategien zur Produktion von Präsenz“ vor und erläutert Beispiele, mit welchen Mitteln und Ideen Konzerte interessanter inszeniert werden können. Der dritte Teil befasst sich mit „Vermitteltem Hören“. Unter dem Titel „Einen Sehnsuchtsort der Wahrneh­mung öffnen“ beschreibt Constanze Wimmer (Professorin für Musikvermittlung aus Österreich) die verschiedenen Entwicklungspfade von Musikvermittlung im Konzertbetrieb. Im vierten Teil, überschrieben „Raum – Klang – Instrument“, finden sich Beiträge zur Entwicklung von Aufführungs- und Hörgewohnheiten, zur Differenzierung zwischen Geräusch, Lautstärke und Lärm, aber auch über die Entwicklung neuer Konzerträume wie derjenige des Hamburger Ensembles Resonanz. Dessen Resonanzraum im dritten Stockwerk eines ehemaligen Luftschutzbunkers in Hamburg St. Pauli ermöglicht neue Konzertatmosphären.
Der fünfte Teil befasst sich mit „Publika und MusikerInnen“. Heiner Gembris und Jonas Menze vom Institut für Begabungsforschung in der Musik (Universität Paderborn) untersuchen Bildungsgrad und Soziodemografie des Konzertpublikums ebenso wie die Zukunft des Musikerberufs. Hier knüpft auch der Beitrag von Esther Bishop an, die sich Gedanken über die steigende Zahl der Musikhochschulabsolventen bei gleichzeitig sinkenden Stellen in den Orchestern macht und ein unzureichendes Informationsniveau bei Studierenden zu ihren Berufsperspektiven konstatiert. In den zwei abschließenden Kapiteln schließlich geht es um das Phänomen der „neuen Klassik“, die Entwicklung des Musikstreaming, aber auch um mehr „Konzertforschung“. Jeder, der im Konzertbetrieb tätig und damit auch für dessen weitere Entwicklung verantwortlich ist, wird in dieser Publikation zahlreiche Anregungen und Impulse finden.
Gerald Mertens