Jonas Lohse

Das Kontrabass-Buch/ Double Bass Fingerboard Chart & Cheat Sheet

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Jonas Lohse
erschienen in: das Orchester 03/2019 , Seite 60

Jonas Lohse ist ein Kon­tra­bass-Enthu­si­ast. Die vor­liegende Mono­grafie über das größte der Stre­ichin­stru­mente hat der Kon­tra­bassist und Instru­menten­bauer Lohse nicht nur ver­fasst – er hat auch selb­st für Grafik und Satz gesorgt und Buch und Griffta­belle gle­ich im Eigen­ver­lag her­aus­ge­bracht. Und auch der Ein­stieg in die 224 Seit­en mit jed­er Menge Infor­ma­tio­nen, Fotos und Grafiken ist unkon­ven­tionell: Jonas Lohse spart sich das Vor­wort und begin­nt sofort nach dem Inhaltsverze­ich­nis mit einem geschichtlichen Überblick.
Man kann sich von so viel Begeis­terung für das Instru­ment mit dem großen, run­den Kör­p­er und den tiefen Tönen ansteck­en lassen. Beden­klich an Jonas Lohses Ansatz ist jedoch, dass fast jed­er Quel­len­bezug oder Hin­weis auf den Ursprung von Abbil­dun­gen fehlt. Zitate wer­den zwar als solche ken­ntlich gemacht – jedoch ist nicht zu erken­nen, aus welch­er Quelle sie stam­men. Viele der abge­bilde­ten Instru­mente, Plat­ten­cov­er oder tech­nis­chen Hil­f­s­mit­tel mögen sich im Besitz des Autors befind­en; klar wird aber nicht, woher die Fotografien der übri­gen stam­men. Biografis­che Angaben zu berühmten Kon­tra­bassis­ten wer­den hier nicht belegt, und manch­mal schle­icht sich dann auch noch ein Fehler bei Dat­en ein (dem berühmten Bassis­ten und Diri­gen­ten Kusse­witz­ki ver­lei­ht Lohse dadurch ein fast bib­lis­ches Alter).
Dort, wo Jonas Lohse über sein ure­igenes Meti­er, den Kon­tra­bass­bau schreibt, hat der vor­liegende Band seine ein­deuti­gen Stärken. Spezial­is­ten bietet der Autor eine solch große Fülle an Infor­ma­tio­nen, die es wohl kaum in einem ver­gle­ich­baren Buch in so kom­pak­ter Zusam­men­schau geben dürfte.
Das ist erst recht der Fall, wenn der Jazzmusik­er Lohse über sein Instru­ment in der Welt des Swing, Bebop, Mod­ern oder Free Jazz schreibt. Alle großen Bassis­ten der ver­gan­genen hun­dert Jahre und ihre Beiträge zur Weit­er­en­twick­lung des Jazz sind hier ver­sam­melt. Schließlich wid­met sich ein großer Abschnitt dem „elek­tri­fizierten“ Kon­tra­bass und all den tech­nis­chen Spielarten, die im zeit­genös­sis­chen Jazz nicht wegzu­denken sind.
Große Namen bietet Jonas Lohse aber nicht nur hin­sichtlich der aus­führen­den Kün­stler oder der Kom­pon­is­ten auf, die für sein Lieblingsin­stru­ment bedeu­tende Werke geschrieben haben; dem Kon­tra­bass­bauer Lohse liegen natür­lich auch seine Kol­le­gen aus den ver­gan­genen fünf Jahrhun­derten am Herzen, denen er eben­falls präg­nante Kurz­darstel­lun­gen wid­met.
Abgerun­det wird das große Kon­tra­bass-Ein­maleins mit viel Prax­is­bezug für Profis und Laien zu dem dann auch das eben­falls von Jonas Lohse zusam­mengestellte Griff­di­a­gramm und der „Spickzettel“ mit Har­monien und Fre­quen­zen passt.
Daniel Knödler