Kloppenburg, Josef (Hg.)

Das Handbuch der Filmmusik

Geschichte – Ästhetik – Funktionalität

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Laaber, Laaber 2012
erschienen in: das Orchester 04/2013 , Seite 65

Die vor­liegende Pub­lika­tion ist eine Zusam­men­stel­lung von einzel­nen Kapiteln aus dem im Jahr 2000 im Laaber-Ver­lag erschiene­nen Band 11 des Hand­buch der Musik im 20. Jahrhun­dert mit dem Titel Musik mul­ti­me­di­al. Film­musik, Video­clip, Fernse­hen. Aus­gekop­pelt wur­den die ersten acht Kapi­tel, die sich auf Film­musik bzw. ver­filmte Musik beziehen. Mit dieser überzeu­gen­den Auswahl präsen­tiert sich das vor­liegende Hand­buch als homo­gene Ein­heit. Dabei blieben die Kapi­tel 1 („Mul­ti­me­di­ale Verbindun­gen: Klin­gende Bilder“ von Josef Klop­pen­burg), 4 („Europäis­che Ton­film­musik“ von Wolf­gang Thiel) und 6 („Musik des Lichts. Tonkun­st und filmis­che Abstrak­tion“ von Hans Emons) unverän­dert. Dage­gen erfuhren die Kapi­tel 3 („Musik im Ton­film“ von Josef Klop­pen­burg), 5 („Genre und kul­turelle Codes im Film“ von Christoph Met­zger) und 7 („Video­clips und Visu­al­isierung von E‑Musik“ von Gün­ther Röt­ter) eine mehr oder weniger tief­greifende aktu­al­isierende Über­ar­beitung.
Zu den grundle­gend ren­ovierten Kapiteln gehört auch Clau­dia Buller­jahns Beitrag zur „Musik zum Stumm­film“, der zu den besten Überblicks­darstel­lun­gen zu diesem The­ma gehört. Das umfan­gre­ich­ste Kapi­tel des Hand­buchs stammt von Josef Klop­pen­burg („Musik im Ton­film“). In der Neu­fas­sung dieses Kapi­tels find­en nun­mehr auch die aktuellen tech­nis­chen Ver­fahrensweisen der Film­musikpro­duk­tion sowie die Ergeb­nisse ein­er Studie zur Wirkung von Film­musik Berück­sich­ti­gung. Darüber hin­aus
gelingt es ihm in den der Hol­ly­wood­prax­is gewid­me­ten Abschnit­ten, den Überblickscharak­ter der Darstel­lung sou­verän mit exem­plar­ischen, scharf­sichti­gen Film­musik­analy­sen zu verbinden, die zum Teil auch auf Quel­len­stu­di­en und Ein­sicht­nahme orig­i­naler Film­musik­par­ti­turen beruhen. Abge­se­hen von eini­gen Redun­danzen, zahlre­ichen Druck­fehlern und einem gele­gentlich unnötig ver­queren Satzbau ist vor allem die ab Seite 256 aus­ge­bre­it­ete Diskus­sion des Begriffs Pop­u­lar­musik in einem Hand­buch wie diesem verzicht­bar. Und schließlich: Auch wenn der Kom­pon­ist Hans Zim­mer heute eine Ikone der Film­musikkom­po­si­tion ist, wirken Klop­pen­burgs gutachter­lich anmu­tende Elo­gen auf ihn in ein­er wis­senschaftlichen Pub­lika­tion etwas befremdlich.
Thiel kann in seinem wertvollen und sprach­lich geschlif­f­e­nen Überblick über die europäis­che Film­musik­land­schaft deut­lich machen, dass die außeror­dentliche Qual­ität der Film­musik außer­halb Deutsch­lands auch damit zusam­men­hängt, dass sich viele Kom­pon­is­ten in der Kun­st­musik und in der funk­tionalen Musik zuhause fühlten, d.h. Musik für den Konz­ert­saal und Film­musik kom­ponierten. Met­zgers sozi­ol­o­gis­che Per­spek­tive auf Film­musik, dass näm­lich Musik „mit ihren kalkulier­baren Codes einge­set­zt wird, um eine gezielte Wirkung zu erre­ichen“, ist heute zu selb­stver­ständlich, als dass sie über­raschen kön­nte. In Röt­ters abschließen­dem Kapi­tel zu Video­clips und Visu­al­isierung von E‑Musik hätte man sich eine stärkere Berück­sich­tung des Musik­films (E‑Musik) gewün­scht, zumal auf diesem Gebi­et mit­tler­weile inter­es­sante Pro­duk­tio­nen neu zugänglich sind und neuere Pub­lika­tio­nen vor­liegen. In der vor­liegen­den Form wird sich dieses „neue alte“ Hand­buch als zuver­läs­siges, anre­gen­des Arbeitsmit­tel bewähren.
Andreas Eichhorn