Dietmar Berger

Das Cellobuch

Ein Buch für Cellofans

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Dohr, Köln 2020
erschienen in: das Orchester 10/2021 , Seite 68

Diet­mar Berg­ers Lei­den­schaft für sein Instru­ment sowie für Musik und Lit­er­atur sind auf jed­er Seite des Cel­lobuchs zu spüren: Es erweist sich als umfan­gre­iche, mit Liebe zum Detail gestal­tete Fund­grube, die das Vio­lon­cel­lo im Spiegel von Lit­er­atur (und Film) porträtiert und in diesem Rah­men zahlre­iche Verbindun­gen zwis­chen Musik und Lit­er­atur aufzeigt.
Beein­druck­end ist die stilis­tis­che Vielfalt der vorgestell­ten Gen­res: So reicht das Spek­trum der Cel­lobüch­er-Autoren laut Klap­pen­text „von erfahre­nen Romanciers über Krim­i­au­toren, Zeitungskolum­nis­ten, Dichter, Cel­lis­ten, Musik­wis­senschaftler, Kinder­buchau­toren bis hin zu Ver­fassern von Liebesro­ma­nen und schrift­stellern­den Geigen­bauern. Wir find­en Debü­tan­ten eben­so wie Nobel­preisträger wie Kazuo Ishig­uro.“ Zudem wird Cel­lo­lit­er­atur im Inter­net und „das Cel­lo im Film“, auch für Kinder und Jugendliche, präsen­tiert. Zahlre­iche Abbil­dun­gen von Buchtiteln, Autoren, Cel­lis­ten sowie kün­st­lerischen Zeich­nun­gen doku­men­tieren die vorgestell­ten Werke anschaulich. Ein stark­er visueller Kon­trast entste­ht durch die Verknüp­fung des eher schlicht­en Lay­outs im Buchin­neren mit dem knal­lig bun­ten, comi­car­ti­gen Cover.
Dank sein­er klaren Gliederung und Struk­tur der einzel­nen Kapi­tel lässt sich das Cel­lobuch gut lesen, eben­so aber auch als Nach­schlagew­erk und Anre­gungsquelle nutzen. Die große Auswahl unter­schiedlich­er Pub­lika­tio­nen eignet sich gle­icher­maßen für pro­fes­sionelle Musik­er, Cellofans sowie Leser ohne instru­menten­spez­i­fis­che Vorkenntnisse.
Dem Köl­ner Cel­lis­ten und Maler Diet­mar Berg­er gelingt es, auch auf sprach­lich­er Ebene ein bre­ites Pub­likum zu erre­ichen. Bei der Vorstel­lung und Ein­schätzung von Cel­lobüch­ern aller Gen­res find­et Berg­er einen per­sön­lich geprägten, dem Leser stets zuge­wandten Zugang. Seine Erläuterun­gen zeu­gen von umfan­gre­ichem Fach­wis­sen und musikalis­chen Ken­nt­nis­sen; sie bleiben aber durch den zugänglichen, mitunter auch plaud­ern­den Sprach­stil, der sich zum Beispiel in den vie­len Musik­er-Anek­doten wider­spiegelt, stets ver­ständlich und haben mich des Öfteren zum Schmun­zeln gebracht.
Seine Kom­mentare verbindet der Autor mit Erleb­nis­sen und Begeg­nun­gen aus der eige­nen Beruf­swelt, etwa dem Unter­richt­sall­t­ag als Cel­lopäd­a­goge oder sein­er Aus­bil­dung zum Cel­lis­ten. Zudem flicht Berg­er immer wieder Gespräche mit den Autoren über ihre Bindung zum Vio­lon­cel­lo sowie dessen Funk­tion in der Pub­lika­tion ein. Dabei übern­immt das Instru­ment die ver­schieden­sten Rollen: vom Neben­darsteller bis hin zur exponierten Hauptfigur.
Dieses infor­ma­tive, viel­seit­ige und kurzweilige Buch wird sich­er einige Fans – nicht nur für das Vio­lon­cel­lo, son­dern auch für die vorgestellte Lit­er­atur – gewinnen!
Anna Catha­ri­na Nimczik