Händel, Georg Friedrich

Coronation Anthems

FestspielOrchester Göttingen, Ltg. Laurence Cummings

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Accent ACC 26405
erschienen in: das Orchester 12/2016 , Seite 63

Von den Pro­duk­tio­nen der drei deutschen Hän­del-Fest­spiele sind die des Fes­ti­vals in Göt­tin­gen, das in vier Jahren sein Hun­dertjähriges feiern kann und gle­ich­sam die Mut­ter aller Alte-Musik-Fest­spiele ist, am besten auf Ton­träger doku­men­tiert. Schon aus den 1980er Jahren gibt es epochale Konz­ert­mitschnitte unter John Eliot Gar­diner. Erst recht ent­standen unter Nicholas McGe­gan, der 21 Jahre kün­st­lerisch­er Leit­er der Fest­spiele war, zahlre­iche CD-Auf­nah­men bei unter­schiedlichen Labels.
Seit 2012 ste­ht der englis­che Cem­bal­ist und Diri­gent Lau­rence Cum­mings den Inter­na­tionalen Göt­tinger Hän­del-Fest­spie­len vor – und eine ganze Rei­he von Mitschnit­ten sein­er Auf­führun­gen liegt schon vor. Dazu gehören die Opern Siroe, Fara­mon­do und Agrip­pina sowie das Ora­to­ri­um Joshua. Alle sind bei dem Label Accent erschienen. Dort kam nun auch eine Einzel-CD her­aus, die Hän­dels vier Coro­na­tion Anthems und Chöre aus dem Ora­to­ri­um Esther in der Fas­sung von 1732 bringt.
Die Krö­nungsan­thems wur­den bei einem Konz­ert 2014 in der Stadthalle Göt­tin­gen mit­geschnit­ten und erk­lan­gen nicht zulet­zt aus Anlass des 300. Jahrestags des Beginns der Per­son­alu­nion von englis­chem König und Kur­fürst von Han­nover. Georg II., zu dessen Krö­nung die vier Hym­nen kom­poniert wur­den, war ab 1727 der zweite Han­nover­an­er auf dem englis­chen Thron. Die Esther-Chöre wur­den in Cum­mings erstem Göt­tinger Konz­ert als Fes­ti­valchef 2012 in der Stadthalle aufgenom­men. Aparter­weise hat Hän­del für seine Esther-Fas­sung von 1732 eine Par­o­die des berühmten Anthems „Zadok the Priest“ ver­wen­det, die auf der CD natür­lich nicht fehlt und für einen Rah­men im Pro­gramm sorgt.
Seit 2006 hat Göt­tin­gen sein eigenes Fest­spielOrch­ester, lange nach Karl­sruhe und Halle. Das inter­na­tion­al beset­zte Ensem­ble hat sich freilich in Oper und Konz­ert bestens pro­fil­iert und als hochkarätiges Orig­i­nalk­lan­gorch­ester etabliert. Das zeigt das Ensem­ble auch auf der neuen CD durch far­ben­re­ich­es und schillern­des Spiel.
Die Chorauf­gaben in den „hau­seige­nen“ Göt­tinger Konz­erten übern­immt auch schon seit vie­len Jahren der NDR Chor. Der Nord­deutsche Rund­funk gehört zu den wichtig­sten Part­nern und Spon­soren der Fest­spiele. In rel­a­tiv klein­er Beset­zung und mit leicht­en und flex­i­bel agieren­den Stim­men zeigt der Chor in der Ein­studierung von Philipp Ahmann und Robert Blank (bei Esther) seine Kun­st im stil­gerecht­en und beweglichen Vor­trag der spät­barock­en Musik.
Lau­rence Cum­mings, der stets vom Cem­ba­lo aus leit­et, ist ein eben­so kundi­ger wie kul­tiviert­er und detail­ge­nauer Hän­del-Diri­gent. Er mei­det Kraft­meierei eben­so wie krude Übertrei­bun­gen oder schroffe Akzente. Umso schön­er ist der erlesene Ton sein­er Wieder­gaben, ist ihre innere Lebendigkeit und dynamis­che Span­nung sowie ihre feine Art der Klan­grede. Das heißt nun aber in kein­er Weise, dass strahlen­der Glanz und freudi­ge Erhaben­heit hier ver­misst wer­den müssten. Im Gegen­teil: Es sind über­aus stim­mige und ani­mierende Wieder­gaben dieser fes­tlichen Musik.
Karl Georg Berg